1. – 13. Schuljahr

Susanne Thoene

Formenvielfalt

Wegweiser im Visualisierungsdickicht

Der Begriff „Bilderflut verweist auf den Zuwachs von Bildmaterial aller Art, der mit Entwicklung und Technologie digitaler Medien verknüpft wird. Doch wie findet man sich in der Vielfalt all der Visualisierungsformen zurecht? Dieser Beitrag skizziert Resultate aus der Forschung, stellt eine für die Praxis anwendbare Klassifikation vor, gibt Hinweise zum Umgang mit Abbildungen und beschreibt Herausforderungen an die „visual literacy.

Informierende Bilder
Seit Comenius „Orbis Sensualium Pictus (1658) sind Visualisierungen im didaktischen Kontext verankert. Inhaltsvermittlung als Funktion „informierender Bilder (vgl. Weidenmann 1994) ist im Unterricht unumstritten. Doch was einzelne Schulfächer unter Visualisierung verstehen, unterscheidet sich erheblich. Beispiele für das Spektrum der Visualisierungsformen:
  • Mathematik verbildlicht Daten durch Diagramme, Zahlenstrahl und Hunderterfeld.
  • Deutsch visualisiert Text- und Grammatikstrukturen.
  • Im Sprachunterricht liefern Bilder Schreib- und Sprechanlässe.
Forschung zur Visualisierung konzentriert sich häufig darauf, wie Lernende diese möglichst so „verstehen, dass es der Absicht von Lehrenden und den Anforderungen abgebildeter Sachinhalte entspricht. Die Computer-Anwender-Forschung untersucht z.B. Möglichkeiten für die intuitive Gestaltung von Softwareoberflächen, während sich Lehr- und Lernpsychologie für kognitive Verarbeitung von Visualisierungen interessiert, um Theorien und Modelle als wissenschaftliche Grundlage für Diagnostik und Förderung bereitzustellen.
Fächerperspektiven
Viel fachwissenschaftliche und fachdidaktische Forschung beackert Bereiche des Feldes, indem sie sich auf einzelne Visualisierungsformen konzentriert. Geografie nimmt z.B. Karten und Kartogramme in den Blick. Ganz anders verhält es sich im Sachunterricht. Durch sein breites Inhaltsspektrum und die vielen Bezugsfächer (vgl. Blaseio; Kaiser 2006) ist nahezu die ganze Bandbreite möglicher Visualisierungsformen für den Sachunterricht relevant. Im deutschsprachigen Raum findet sich nur wenig Forschung zur Visualisierung aus Perspektive des Sachunterrichts aber auch international nicht. Die wenigen Studien, die es gibt, fokussieren sich meist auf eine Art der Visualisierung, indem sie „nur Tabellen, „nur Karten oder „nur verschiedene Diagrammformen beforschen. Aus forschungsmethodischer Sicht ist eine Eingrenzung angesichts der Vielgestaltigkeit von Visualisierungsformen sinnvoll. Auch die Einbindung der Bezugsfächer und ihrer Forschungsergebnisse gehören zum fachlichen Selbstverständnis der Sachunterrichtsdidaktik. Vor dem Hintergrund der „Bilderflut und deren Relevanz für das Fach lohnt es sich allerdings, sich dieser Formenvielfalt von Visualisierungen ausdrücklich aus sachunterrichtlicher Perspektive zuzuwenden. Denn was lässt sich hier pragmatisch leisten, wenn man sich bei der Einbindung von einem solchen Spektrum an Möglichkeiten in den konkreten Unterricht nicht nur von einem Bauchgefühl leiten lassen möchte? Welche Visualisierungsformen können überhaupt unterschieden werden? Und wie?
Eine Klassifikation visueller Darstellungen
Lohse u.a. (1994) arbeiteten aus mehreren aufeinander aufbauenden Studien die Antwort auf die Frage heraus, welche Visualisierungsformen unterschieden werden können. Das Team aus der Computer-Anwender-Forschung ließ dafür Probanden in mehreren Studienabschnitten Darstellungen beschreiben, sortieren und zuordnen. Aus den Beschreibungen ergaben sich zur Unterscheidung (Lohse u.a. 1994, S. 44):
  • räumlich/nicht räumlich
  • nicht zeitbezogen/zeitbezogen
  • schwer verständlich/leicht verständlich
  • gegenständlich/abstrakt
  • fortlaufend/für sich allein stehend
  • attraktiv/unattraktiv
  • betont das Ganze/betont Teile
  • nicht-numerisch/numerisch
  • statische Struktur/dynamischer Prozess
  • vermittelt viele Informationen/vermittelt wenige Informationen
    Die 11...

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