1. – 4. Schuljahr

Karin Babbe im Gespräch mit Nils Berkemeyer

Gemeinsam auf den Weg machen

Dr. Nils Berkemeyer ist Professor für Schulpädagogik und Schulentwicklung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Ein Schwerpunkt seiner Forschung bezieht sich auf Wirkungszusammenhänge schulischer Netzwerke. Das Projekt „Schulen im Team, in dem sich Grund- und weiterführende Schulen in Nordrhein-Westfalen als lokale Kooperationspartner über Ziele, Methoden und Arbeitsweisen einer gerechten Gestaltung des Übergangs von der Grundschule zur weiterführenden Schule abstimmen und von- bzw. miteinander lernen (vgl. http://www.schulen-im-team.de/), hat er von Anfang an begleitet.
Karin Babbe: Sie forschen zu schulischen Netzwerken. Was ist das eigentlich?
Nils Berkemeyer: In einem schulischen Netzwerk machen sich Schulen gleicher oder unterschiedlicher Schulart gemeinsam auf den Weg, um beispielsweise Übergänge zu optimieren oder den Fachunterricht weiterzuentwickeln. Sinnvollerweise basiert diese Form der Kooperation auf Freiwilligkeit. Wir haben dies am Institut für Schulentwicklungsforschung in Dortmund am Beispiel des Projekts „Schulen im Team lange beobachten und aktiv begleiten können. Dort waren 3 – 5 Schulen unterschiedlicher Schularten lokal in den Städten Duisburg und Essen vernetzt.
KB: Wie würden Sie denn gegenwärtig ein schulisches Netzwerk beschreiben?
NB: Es gibt eine Fülle von Formen und Zielausrichtungen, die alle „Netzwerk genannt werden. So treffen zum Beispiel Mitarbeiterinnen eines Jugendamtes, die Sonderpädagoginnen einer Schule, Mitglieder eines Quartiermanagements zusammen. Hier steht ein wechselseitiger Informationsaustausch über SchülerInnen mit besonderen Bürden auf den Schultern im Vordergrund. Ganz anders gelagert ist ein Zusammenschluss von mehreren Schulen, die sich um die Entwicklung der mathematischen Kompetenz der SchülerInnen kümmern wollen. Sie sind unterschiedlich wirkmächtig. Allen unterschiedlichen Formen ist gemeinsam: Es sind organisierte Formen der Kooperation mit der Idee, Kolleginnen, Kollegen und Kollegien miteinander ins Gespräch zu bringen.
KB: Was hat sie bewogen, zum Thema „Netzwerke zu forschen?
NB: Angefangen hat alles mit meiner Diplomarbeit. Es gab die von H. G. Rolff betreuten Qualitätsnetzwerke in Niedersachsen, von diesen Netzwerken habe ich Projektbeschreibungen angefertigt. Schulen sollten kooperativ Schulprogramme erarbeiten. Echtes Feuer habe ich dann gefangen bei den „Schulen im Team der Stiftung Mercator 2007 . 2008 haben wir ein Rahmenmodell für Netzwerkarbeit entwickelt. Schulentwicklung in Netzwerken basiert auf einer „umständlich anmutenden Konstruktion. Die Lehrkräfte in für sie so wichtigen netzwerkbasierten Praxisgemeinschaften gehen erst hinaus aus ihrem System und dann wieder mit geplanten Veränderungsschritten hinein. Dennoch haben die Befunde gezeigt, dass die Netzwerkarbeit als gewinnbringend für die Unterrichtsentwicklung erlebt wurde, ohne dass das Belastungsempfinden gestiegen ist (Berkemeyer 2015).
KB: Wie wirksam sind Netzwerke? Was sind Präventionsketten in diesem Zusammenhang?
NB: In Forschungsdesigns sind in Netzwerken Aspekte psychosozialer Gesundheitsfürsorge untersucht. Dabei entstand die Erkenntnis von der Wirkkraft von folgenden Zusammenhängen: Das Netz bietet ein Kennenlernen im geschützten Raum. Es wird das Wissen um die Schwierigkeiten der Aufgaben zum Beispiel als Lehrkraft ebenso geteilt wie das Wissen um das Gelingen. In der Anerkennung und im Vertrauen entwickeln sich für die Kolleginnen und Kollegen neuer Schwung und neue Legitimation, in ihren „Heimatinstitutionen Veränderungen anzugehen.
KB: Neben der Organisationsentwicklung in der Schule fällt mir dazu auch die Teamentwicklung der Pädagoginnen und Pädagogen ein. Was sagt die Forschung?
NB: Hierzu gibt es keine konsistenten Antworten. Heute gibt es eine Kooperationsversessenheit. Ich nenne nur die sich jetzt vielerorts aufstellenden multiprofessionellen Teams....

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