1. – 4. Schuljahr

Markus Peschel

Milliarden für die Bildung

Grundlegende Forderungen an den Digitalpakt

Die Wanka-, oder waren es Schavan-?; nein: Karliczek-Milliarden können nun endlich fließen, da sich die Bundesländer mit dem Bund über Zuständigkeiten in der Bildung neu geeinigt haben. Es hat ein wenig gedauert, wie man an der Anzahl der Bundesministerinnen sehen kann, die für dieses Projekt verantwortlich waren. Aber nun wird alles anders in der Bildung wirklich? Und es ist dann auch nicht so viel Geld, wie es auf den ersten Blick scheint.
Letztendlich ist es zunächst einmal eine Mrd. pro Jahr und das für (zunächst nur) fünf Jahre was danach kommt, kann man jetzt noch nicht absehen. Ob die Hardware von heute (iPads, Surface, aber auch Router, WLAN-Points, Server usw.) noch funktionieren und noch modern genug für die Software von morgen sowie die Bildungsinhalte von übermorgen sind, werden wir sehen.
Was hier passiert, muss man sich auf einen zweiten Blick noch einmal vor Augen halten: Die Bundesländer schließen aufgrund von dringend notwendigen Ausstattungen im Bereich der Digitalisierung mit dem Bund ein Abkommen, das Grundgesetz für einen Einmalbetrag von fünf Mrd. Euro zu ändern. Dabei ist eins offensichtlich: Es gibt eine dauerhafte Veränderung der Verantwortlichkeiten im Bereich der Bildung. Diese Verantwortlichkeiten waren bislang Länderhoheit, sind es jetzt aber nicht mehr. Zu diesem Zweck wurde dauerhaft das Grundgesetz geändert, wobei die Ausstattungen nur (einmalig!) für fünf Jahre eingeplant sind. Man hätte auch ein Gesetz für die Zeit der Beteiligung des Bundes an Grundfinanzierungen beschließen können („solange der Bund sich an der Finanzierung beteiligt ...) oder noch einfacher: Man hätte die Länder insgesamt mit mehr Mitteln ausstatten können ohne die Bildungshoheit infrage zu stellen , indem man Steuern neu- bzw. umverteilt. Dann hätte der Bund allerdings hoffen müssen, dass diese Mittel von den Ländern tatsächlich in Bildung investiert und nicht zur Stopfung von Steuerlöchern verwendet werden. Die Länderhoheit in der Bildung dauerhaft für einen Einmalbetrag für die digitale Ausstattung abkaufen zu lassen, wirkt wenig zukunftsweisend. Zudem ist mitnichten klar, wer bzw. welche Schulen bzw. Schulformen die Mittel für welche digitale Ausstattung erhält.
Der Grundschulverband fordert, dass die Grundschulen mit mindestens der Hälfte der Gelder bedacht werden sollen, denn die Hälfte aller Schulen sind Grundschulen.
Daran schließen sich folgende zentrale Forderungen an, die in der Berichterstattung zu den Digitalpakt-Milliarden häufig viel zu kurz kommen: Eine Ausstattung der Schulen mit entsprechender Hard- und Software reicht keinesfalls aus; die iPads, Surfaces und Dells müssen in fachliche Lerninhalte eingebunden werden und zwar aufgrund entsprechender fachdidaktischer Konzepte! Das „Primat der Didaktik/Pädagogik ist hier das häufig strapazierte Schlagwort vor Ausstattung um der Medien willen! Es benötigt nicht nur Glasfaser, Breitband und WLAN sowie Hardware und Software, sondern auch Support, Administration, Weiterbildungen, Service und vor allem Konzepte! Hier sind die knapp 100 €, die pro Schüler zur Verfügung stehen, recht schnell aufgebraucht. Wir müssen also längerfristig und auf konzeptioneller Ebene denken. Das bedeutet in Forderungen umgemünzt:
  • Die Ausbildung von Grundschullehrkräften muss sich der Fragen der Digitalisierung annehmen, auf didaktischer Ebene wie mit Blick auf die gesellschaftlichen Auswirkungen bzw. die Digitalität u.a. im Bereich der Demokratieentwicklung.
  • Grundschullehrkräfte, die schon aktiv in der Schule tätig sind, müssen entsprechend weiterqualifiziert werden. (Abb. 1 )
  • Wir brauchen eine Unterstützung auf struktureller, technischer und juristischer Ebene, um in Schulen Bildungsinhalte digital und analog entsprechend pädagogisch-didaktisch umsetzen zu können, ohne dass PädagogInnen übermäßig mit Technik usw. belastet werden.
Infolgedes...

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