1. – 4. Schuljahr

Fabian Kirchmann | Heiner Oberhauser

Bilder „lesen

Lernen mit Bild und Text in der Grundschule

Mit Bildern können vielfältige Informationen vermittelt werden. Besonders wirkungsvoll kann mit Bildern gelernt werden, wenn sie in Bezug zu Textinformationen gesetzt werden. In diesem Artikel wird anhand eines Beispiels beschrieben, wie dieses Multimedialernen funktioniert und wie es im Unterricht genutzt werden kann.

Der Mensch erfährt seine Umwelt zu einem großen Teil visuell. Somit verwundert es auch nicht, dass visuelle Darstellungen in Lehr-/Lernprozessen didaktisch gezielt eingesetzt werden. Lehr- und Lernmaterialien enthalten heutzutage viele Illustrationen, Schaubilder sowie Diagramme und insgesamt spürbar mehr Visualisierungen als noch vor wenigen Jahren (Schnotz 2010). Dieser Anstieg ist zum einen moderner Lehrwerksgestaltung geschuldet, zum anderen aber auch der Erkenntnis, dass Visualisierungen Kinder beim Lernen unterstützen können (Kaier/Schönknecht 2016). Informierende Visualisierungen (Abb. 1 ) stehen selten für sich allein. Fast immer werden sie in Kombination mit sprachlichen Informationen dargeboten.
Lernpsychologische Forschung hat gezeigt, dass das Lernen mit Bildern und Texten zu tieferen Verständnis- und besseren Erinnerungsleistungen gegenüber rein textlichem Lernen führen kann (Schmidt-Weigand/Scheiter 2011). Ein solches Multimedialernen setzt neben Kompetenzen im Umgang mit sprachlichem Lernmaterial, „verbal literacy, gleichermaßen Kompetenzen im Umgang mit Bildern, „visual literacy, voraus.
Multimedialernen
Wie funktioniert das Lernen mit Bild und Text und worin liegen die Vorzüge des Multimedialernens? Die Besonderheit des Multimedialernens wird in erster Linie auf eine besondere kognitive Verarbeitungsweise beim Betrachten von Bild und Text zurückgeführt (Schlag 2011, S. 38). Grundlegendes zum Multimedialernen formulierte Paivio (1990) mit seiner Theorie der dualen Kodierung. Er nahm an, dass visuelle und sprachliche Informationen getrennt verarbeitet werden und die Dopplung der Informationen einen Lernvorteil mit sich bringt. Auch wenn seine Theorie in Bezug auf die kognitiven Verarbeitungsprozesse als überholt gilt, stellt sie die Grundlage für aktuelle Theorien zur Rezeption von Text und Bild dar. Die Cognitive Theory of Multimedia Learning (CTML, Maier 2009) baut auf der Theorie von Paivio auf. Sie geht davon aus, dass Texte und Bilder in separaten verbalen und bildlichen Kanälen verarbeitet und im Arbeitsgedächtnis mithilfe von Vorwissen aus dem Langzeitgedächtnis integriert werden (Mayer 2009, S. 61).
In Abb.1 nehmen die Kinder die Querschnittdarstellung und den dazugehörigen Text in separaten Kanälen wahr, in ihrem Arbeitsgedächtnis verarbeiten und vernetzen sie beide Informationsquellen. Hier werden die Informationen aufeinander bezogen, mit Vorwissen verknüpft und zu einer zusammenhängenden Vorstellung verbunden.
Die Kombination aus Text und Bild kann das Lernen unterstützen, indem es durch die Vernetzung zu einem tieferen Verständnis der Lerninhalte kommt. Je mehr Informationen aus unterschiedlichen Repräsentationsformen (Bild und Text) in ein mentales Modell integriert werden können, desto tiefer und elaborierter sollte die Verarbeitung und das Verständnis des jeweiligen Sachverhaltes ausfallen. Das Beispiel bietet dafür gute Voraussetzungen. Viele der im Bild und Text gegebenen Informationen, wie z. B. die einzelnen Bodenschichten, doppeln sich. Dies erleichtert das Zusammenwirken der unterschiedlichen Kanäle. Die beiden Repräsentationsformen Text und Bild sind aber auch nicht völlig redundant. Nur der Text gibt Informationen zum Vorgang des Regnens und Versickerns, und nur das Bild vermittelt eine Vorstellung zu den topologischen Verhältnissen. Die Schülerinnen und Schüler benötigen somit beide Repräsentationsformen, um ein angemessenes mentales Modell zu entwickeln. Gelingt die Verarbeitung und Verbindung von Text und Bild, sollte ein leicht abzurufendes und gut übertragbares mentales Modell entstehen, welches einem Modell, das nur aus einer Repräsentation gebildet wurde, überlegen ist (Oestermeier...

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