1. – 6. Schuljahr

Claudia Osburg

Kinder und Eltern für inklusiven Unterricht

Ein Interview

Die Schule Berg Fidel in Münster und die Grundschule Am Lindener Markt in Hannover sind zwei Schulen1, in denen seit Jahren erfolgreich inklusiv gearbeitet wird. Im folgenden Interview mit Claudia Osburg berichten drei Eltern von ihren Erfahrungen an den Schulen.

Ihr Kind besucht eine Grundschule, in der schon viele Jahre Inklusion gelebt wird. Warum haben Sie sich bewusst für diese Schule entschieden?
Sebastian Knoth, Grundschule Berg Fidel (S.K.): Eigentlich hat sich unsere Tochter für diese Schule (Grundschule Berg Fidel, jetzt Primus Schule) entschieden. Wir haben uns zunächst zwei Grundschulen in der Nähe angeschaut; eine Schule war die Grundschule Berg Fidel. Unsere Tochter konnte sich dort im Rahmen des Tags der offenen Tür ein Bild vom Unterricht machen. Nicht nur sie, sondern auch wir als Eltern waren begeistert von der Atmosphäre, die dort herrscht. Hinzu kam für uns als Eltern noch die Möglichkeit für unsere Tochter, mit Kindern unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Merkmalen zu lernen. Auch unser Sohn geht auf die Schule und lernt in diesem besonderen Umfeld viel für das Leben.
Ulrike Siekmann, Schule Am Lindener Markt (U.S.): Wir wohnen im Einzugsgebiet dieser Schule, sodass wir automatisch dieser Schule zugeordnet wurden. Da ich die Schule aber als „eine Schule für alle kannte und schon im Vorfeld viel Positives gehört hatte, kamen wir gar nicht auf die Idee, uns nach anderen Schulen umzusehen, sondern waren sehr froh darüber, im Einzugsgebiet genau dieser Schule zu wohnen.
Jörg Kyas, Schule Am Lindener Markt (J.K.): Unser Sohn hat ein Joubert-Syndrom und ist über eine Kooperation mit einer Förderschule auf unsere Bitte hin auf dieser Schule eingeschult worden. Wir haben darum gebeten, weil wir in einer inklusiven Krabbelgruppe und einer inklusiven Kita schon sehr gute Erfahrungen gemacht und gesehen haben, dass Inklusion für alle bereichernd sein kann.
In Ihrer Klasse begegnen die Lehrenden den Kindern sehr wertschätzend. Was imponiert Ihnen dabei besonders?
S.K.: Die Offenheit, mit der auf die Kinder zugegangen wird, und die Geduld, mit der die Lehrkräfte, Erzieher(innen) und Praktikant(inn)en auf die Kinder zugehen und mit ihnen arbeiten. Zudem fällt auf, dass sich für jedes Kind so viel Zeit genommen wird, wie das Kind benötigt. Den Kindern wird hier Zeit gegeben, sich entwickeln zu können.
U.S.: Es sind viele Dinge: Die Geduld, die Freundlichkeit und individuelle Begrüßung jedes einzelnen Kindes, jeden Morgen, vom ersten Schultag an. Die konsequent eingeführten Strukturen und Rituale, die den Kindern ganz viel Sicherheit geben. Das soziale Miteinander und die dafür entwickelten Rituale, die jedes Kind „zu Wort kommen lassen und jedem Kind die Möglichkeit geben, sich auszudrücken (Morgenkreis, „Ich fühle mich heute …“: Piktogramme/ Symbole als Hilfen zur Verbalisierung). Die Zeit, z.B. für Elterngespräche, in denen man merkt, dass das eigene Kind wirklich als Individuum wahrgenommen wird. Die Vorbereitungszeit, die vom Klassenteam aufgewendet wird, um genau das alles für die Kinder zu ermöglichen. Die individuellen Zeugnisse, an das Kind gerichtet, sind sehr wertschätzend, benennen aber auch nächste Entwicklungsbereiche. Die Lernentwicklungsgespräche, die mit dem Kind geführt werden, während die Eltern zuhören und hierbei insbesondere der Einbezug der Wahrnehmung des Kindes mit kindgerechten Symbolen (Hier fühle ich mich stark, da möchte ich einen Schritt weiter gehen). Die Durchführung von Klassenfahrten in jeder Klassenstufe, was das soziale Miteinander eben auch sehr fördert. Das sehr hohe Engagement des gesamten Klassenteams, also sowohl der Lehrkräfte als auch der pädagogischen Mitarbeiter(innen), und dabei aber auch viel Humor, Fröhlichkeit und Spaß.
J.K.: Das war ja schon eine sehr umfangreiche Antwort, da kann man wenig hinzufügen, außer vielleicht noch die hohe...

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