1. – 4. Schuljahr

Romina Schmidt

Sprachbuch, Tafel oder Arbeitsblatt?

Herausforderungen beim Gebrauch von Lehr-Lern-Materialien

Lehr-Lern-Materialien transportieren nicht nur Inhalte, sondern sind neben Lehrperson und Schülern und Schülerinnen wichtige und „eigensinnige Beteiligte am Unterrichtsgeschehen. Für Besonderheiten und Herausforderungen im Umgang mit ihnen möchte der Beitrag sensibilisieren und somit eine gegenstands- und lernernahe, aber auch arbeitsökonomische Nutzung dieser Hilfsmittel unterstützen.

Lehr-Lern-Materialien sind in beinahe jeder Unterrichtsstunde präsent (Abb. 1 ) und das aus gutem Grund: Sie sind Arbeitsmittel für Schülerinnen und Schüler, Ideenlieferant für die Lehrperson, sie bieten Strukturierung sowie fachliche und methodische Vorschläge, um nur einige ihrer Aufgaben zu nennen (vgl. Ott 2019).
Heute gibt es für den Sprachunterricht deshalb ein großes, kaum überschaubares und sehr vielfältiges Angebot von Lehr-Lern-Materialien: von klassischen Lehrwerken und Lehrwerksverbünden über Lernspiele und Arbeitsblattsammlungen (analog und digital) bis hin zu Materialangeboten anderer Lehrpersonen auf Plattformen im Internet. Wie Lehrpersonen sich dieser Vielfalt gegenüber verhalten und wie sie schließlich mit dem ausgewählten Lehr-Lern-Material „zusammenarbeiten, ist von großer Bedeutung für den Unterricht und die Qualität der Lernangebote.
Die folgenden Ausführungen, die auf einer wissenschaftlichen Untersuchung zum Gebrauch didaktischer Artefakte im Rechtschreibunterricht basieren (Schmidt 2020), dürften für versierte Praktizierende dabei möglicherweise gar kein neues Wissen im eigentlichen Sinne bereithalten im Gegenteil haben sie bestimmte Dinge vielleicht schon immer genau so gemacht, wie hier beschrieben. Darin liegt nun gerade der Anspruch dieses Artikels: Vorher eher unbewusstes, routiniertes Tun soll aus der täglichen Routine gehoben und ins Bewusstsein gebracht werden, denn allein dieses bewusste Handeln ist der kritischen (Selbst-)Prüfung und ggf. der Veränderung zugänglich.
Gebrauchspraktiken verschiedener Lehr-Lern-Materialien im Rechtschreibunterricht
Verschiedene Materialien werden in unterschiedlicher Weise in Gebrauch genommen und bringen so auch verschiedenartige literale Praktiken des Rechtschreibens hervor. Für drei der wichtigsten Materialgruppen Lehrwerke, Arbeitsblätter und die Tafel – werden nun typische Gebrauchspraktiken vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den besonderen Herausforderungen, die der jeweilige Gebrauch mit sich bringt. Sind diese bekannt, so kann auch professionell damit umgegangen werden.
Die Praktiken im Umgang mit Lehr-Lern-Material sind wie für Praktiken typisch gekennzeichnet durch ihre Implizitheit (etwa dann, wenn Materialien ganz im Stillen wirken) und das Changieren zwischen Routine und Unberechenbarkeit. An vielen Stellen dieses Textes finden sich die im grundlegenden Beitrag dieser Ausgabe (S. 6 – 11) erläuterten Komponenten deshalb wieder.
Die „Alleskönner
Sprachbücher und ihre Lehrwerksverbünde
Die „Alleskönner meinen Materialien, die professionell (etwa in einem Lehrmittelverlag) hergestellt werden und ein ganzes Curriculum abbilden. Sie können als Buch mit Arbeitsheft, als mehrere chronologisch zu bearbeitende Einzelhefte oder aber als ganze Materialpakete mit Kopiervorlagen, Lernspielen usw. daherkommen.
Sie haben ob ihrer professionellen Entstehung einen hohen Legitimationsanspruch: Was im Sprachbuch steht, scheint mit großer Wahrscheinlichkeit richtig und wichtig zu sein. Hinzu kommt, dass sich eine Lehrperson oder eine Fachkonferenz bewusst für die Einführung eines bestimmten Lehrwerks entschieden hat, was diesem Material noch mehr Bedeutung verleiht.
Nicht selten liegen Lehrwerksmaterialien zudem als Klassensatz vor, jeder Schüler und jede Schülerin kann eigenständig damit arbeiten. Im Interview bringt eine Lehrperson die Bedeutung der „Alleskönner auf den Punkt, wenn sie sagt: „Wenn wir ein...

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