1. – 4. Schuljahr

Bente Pfaff

„Mach die Fliege

Reflexion über Kommunikation als literale Praktik

Wie Kinder bereits in der Grundschule lernen können, reflektiert und verantwortungsvoll mit verbaler und nonverbaler Sprache umzugehen, und welche Chancen sich daraus für das Miteinander ergeben können, wird im Beitrag gezeigt. Wichtige Impulse werden dabei aus dem Konzept des Dialogischen Lernens aufgenommen.

Ausgangspunkt der Unterrichtsidee waren die zunehmenden Konflikte in einer 4. Klasse. Der wöchentlich tagende Klassenrat und die dort besprochenen Themen schienen immer gleichen Ursprungs zu sein: dem fehlenden Bewusstsein über dieWirkung von verbaler sowie nonverbaler Kommunikation. Insbesondere die nonverbale Kommunikation spielte hierbei vermehrt eine wichtige Rolle.
Interviews und T-Shirt-Sprüche
Unterrichtsidee
Für das Vorhaben wurden drei Schritte gewählt: Zunächst sollten die Schülerinnen und Schüler Gedanken, die ihnen während des Gesprächs in Bezug auf das Gegenüber schon einmaldurch den Kopf gegangen waren, als Slogan auf ein T-Shirt schreiben.
In einem zweiten Schritt führten die Schülerinnen und Schüler untereinander Interviews zum Thema „Mein Lieblingsort durch, das bewusst nicht im Zusammenhang mit dem Thema Kommunikation stand. Während des Interviews trugen die Interviewenden ihre T-Shirts mit Sprüchen wie „Mach die Fliege (Abb. 1 ) oder „Du hast eine schöne Stimme. Wichtig war jedoch, dass es sich bei den Fragen um einen persönlichen Aspekt handelte, damit der gegebenenfalls entstehende Einfluss der T-Shirt-Sprüche auf das Gespräch sichtbar werden konnte. Es entstand somit eine Situation, in der die Schülerinnen und Schüler gezielt die Wirkung der T-Shirt-Sprüche und somit eine Form der nonverbalen Kommunikation erfahren konnten.
In einem dritten Schritt sollte evaluiert werden, inwieweit die Botschaften auf den T-Shirts stumm in die Kommunikation hineinwirkten. Ziel war eine von den Schülerinnen und Schülern induzierte, erlebte und reflektierte Sensibilisierung von Kommunikation. Aus dem Unterricht heraus entwickelten sich literale Praktiken des Reflektierens über klasseninterne Kommunikationssituationen, die sich schließlich im gesamten Schulalltag entfalten sollten.
Umsetzung im Unterricht
Für die Vorbereitung auf die Interviews wurde die Klasse in drei Gruppen eingeteilt: die Beobachter, die Interviewer und die Befragten.
Alle Interviewenden überlegten sich vorab individuell einen Spruch, den sie auf ein T-Shirt schreiben sollten. Sie wussten hierbei nur, dass sie ihre T-Shirts mit den ausgedachten Sprüchen während des Interviews tragen werden. Auf eine gezielte Hinführung zum Thema Kommunikation wurde an dieser Stelle bewusst verzichtet, damit die Schülerinnen und Schüler in ihrer Auswahl nicht durch die Lehrkraft gelenkt wurden. Beispiele, die aus dieser Freiheit resultierten, waren neben den bereits genannten „Halt den Mund, „Du bist schön oder „Ich brauche keine T-Shirts mit dummen Sprüchen.
Interviews
Vor dem Interview setzten sich Beobachtende und Interviewende auf ihre Plätze. Die Interviewenden verdeckten vor Beginn des Gesprächs ihr T-Shirt und präsentierten dieses den jeweiligen Befragten erst während der sich entwickelnden Kommunikation.
Der Beobachter/die Beobachterin dokumentierte schon während der Durchführung des Gespräches seine/ihre Beobachtungen bezüglich des Einflusses des T-Shirt-Spruchs auf die Kommunikation (Abb. 2 ). So entstand beispielsweise durch den von einem Schüler gewählten Spruch „Mach die Fliege bei dem Interviewten eine Irritation während des Gesprächs. Die Kommunikation wurde also an dieser Stelle durch den Einfluss nonverbaler Kommunikation gestört. Durch den von einer Schülerin gewählten Aufdruck „Du hast eine schöne Stimme hingegen blieb die Kommunikation im Fluss, es kam zu keinerlei Irritationen.
Für die Weiterarbeit erwies sich dieses Vorgehen als sehr gewinnbringend, um das zentrale Element der Einheit, die Sensibilisierung...

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