1. – 6. Schuljahr

Michael Haider

Lernstandsanalyse im Sachunterricht

Kinder bringen ihre Vorstellungen über alltägliche Phänomene in den Unterricht mit. Um diese Vorstellungen zu nutzen und weiterzuentwickeln, ist ihre Kenntnis für die Lehrkraft unabdingbar. Lernstandsanalyse ermöglicht gezielte Förderung ausgehend von den individuell vorhandenen Vorstellungen. Der Beitrag zeigt verschiedene Möglichkeiten für die Weiterentwicklung von Schülervorstellungen auf.

Sachunterricht hat nach Kurt Maiers (1989, S. 17) das Ziel, Kinder dazu anzuleiten, sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Sachunterricht wird dabei als „Veranstaltung der Schule (ebd.) definiert, die den bereits vor Eintritt in die Schule begonnenen und neben Schulunterricht weiterlaufenden Prozess der handelnden Erfahrung, sinnlichen Erfassung und geistigen Verarbeitung der Welt mit wissenschaftlich begründeten Methoden systematisch fortsetzen soll.
Bedeutung von Vorwissen für den Sachunterricht
In dieser Definition steckt die Grundannahme, dass Lernen auf bereits gemachten Erfahrungen und Handlungen aufbaut, oder neu hinzugewonnenes Wissen nach dem Lernprozess zumindest parallel zum Vorwissen existiert. Kinder haben bereits bei Schuleintritt eigene Vorstellungen, Konzepte und Erklärungsmodelle entwickelt. Diese müssen den geläufigen wissenschaftlichen Erklärungsansätzen angepasst werden.
Viele Forschungsergebnisse der seit den 1980er- und 1990er-Jahren einsetzenden Forschungswelle zur Veränderung von Konzepten, die Kinder zu einem Thema im Kopf haben, bestätigen: Auf das Vorwissen kommt es an! Lernen baut auf dem Vorwissen des Lerners auf. Wissen ist in sogenannten „semantischen Netzwerken mit Begriffen als Knotenpunkten und Relationen als Verbindungen organisiert. Je organisierter und elaborierter ein derartiges Netzwerk ist, umso leichter findet ein Lerner die Zugriffspunkte zu diesem Netzwerk. Je nach Vorwissen ist ein Lerner in der Lage, neue Dinge einzuordnen oder er muss sein Wissen umstrukturieren und neue oder andere Verknüpfungen herstellen. Eine gute Diagnose dieses Vorwissens ist daher der erste Baustein zu einem guten, die Lernzeit effektiv nutzenden Unterricht. Eine Lernstanddiagnose umfasst jedoch mehr als nur kognitive Merkmale. Eine grobe Unterscheidung hierzu nimmt bereits die Berliner bzw. Lerntheoretische Didaktik (Heimann, Otto & Schulz 1965) vor. Lernvoraussetzungen lassen sich demnach in anthropogene und soziokulturelle Bedingungen des Unterrichts aufschlüsseln. Dabei fokussieren anthropogene Voraussetzungen auf Merkmale, die auf Seiten der beteiligten Personen Schüler(innen), Lehrer(innen) vorliegen. Soziokulturelle Bedingungen meint hier Voraussetzungen des sozialen, politischen und kulturellen Umfeldes. Becker (2004) fokussiert nicht auf diese beiden Bereiche, sondern differenziert Lernvoraussetzungen weiter in
  • entwicklungsbedingte und kognitive Voraussetzungen
  • individuelle Begabungen (sprachlich, motorisch )
  • Vorwissen und Vorerfahrungen im Hinblick auf das konkrete Thema
  • emotionale und motivationale Voraussetzungen (bzgl. Leistung, Motivation, Selbstkonzept u.a.)
  • soziale Voraussetzungen
  • Voraussetzungen der Lerngruppe
  • Voraussetzungen der Familie des Lerners
  • kulturelle Voraussetzungen
  • schul- und lehrerspezifische Voraussetzungen
Lernstandsanalyse
Bei der Analyse verschiedener Forschungsergebnisse im Bereich Präkonzepte von Schüler(inne)n werden die Heterogenität und die unterschiedliche Komplexität der verschiedenen Konzepte von Kindern (vgl. Kopp & Martschinke 2015) deutlich. Diese rücken erst seit Beginn der Conceptual Change Forschung (1980er-/90er-Jahre) in den Blick. Seitdem häufen sich Ergebnisse von Lernstandsanalysen. Die Kenntnis dieser Ergebnisse lässt auch in der eigenen Klasse eine gewisse Bandbreite erwarten. Daneben können diese Analysen auch als Vorlagen für die Erhebung in der eigenen Klasse gesehen werden. Die Lernstandsanalyse im Sachunterricht das methodische Sammeln von...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen