1. – 6. Schuljahr

Gudrun Schönknecht

Lernen aktiv begleiten

Unterrichtsnahe und entwicklungsorientierte Diagnostik

Die diagnostische Kompetenz von Lehrkräften, ihre Aufgaben der Diagnostik und Förderung sind seit einigen Jahren ein zentrales Thema in der schulpädagogischen und fachdidaktischen Forschung und Diskussion und damit alsAnspruch immer wieder formuliert.

Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Diagnose-Instrumenten, „Tools, fachdidaktische, überfachliche, für Lehrkräfte (auch für Eltern), die versprechen, den Lernstand von Schüler(inne)n einfach, schnell und genau zu testen und zu diagnostizieren (zunehmend auch online), um frühzeitig und individuell abgestimmt Fördermaßnahmen einleiten zu können. Es wird z.T. sogar angeboten, dass Fördermaterialien auf Grundlage der automatisch ausgewerteten Tests zusammengestellt werden, für jedes Kind sei dann eine „individuelle Fördermappe vorhanden, sodass die Lernrückstände zügig aufgeholt werden können. Nicht selten schwingt dabei mit, dass nun das Kind (und vielleicht auch seine Eltern?) für die „Beseitigung von Lernrückständen verantwortlich ist. Das zeigt meines Erachtens auf, dass beim Thema Diagnose in der Schule explizit oder implizit als überholt geltende Konzepte einer Status- oder sogar Selektionsdiagnostik weiterhin präsent sind. Das Konzept einer Förderdiagnostik hingegen versteht sich prozess-, nicht status- oder selektionsorientiert und ist idealerweise dialogisch, es bezieht Schüler(innen) mit ein und ist eng auf die Unterrichtsgestaltung bezogen, denn die Ergebnisse sollen in der Unterrichtsplanung berücksichtigt werden.
Die Idee zu den Beiträgen in diesem Heftteil entstand auf der Grundschulforschungstagung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft in Braunschweig 2013, auf der umfassend angelegte pädagogische Diagnose- und Beobachtungsverfahren vorgestellt und diskutiert wurden. Dabei wurde deutlich, wie weit die Entwicklung solcher Verfahren und Instrumente insbesondere für den Primarbereich inzwischen gediehen ist sowohl bezogen auf die Fächer und die Fachdidaktiken als auch im pädagogisch-psychologischen Bereich , und dass es sinnvoll wäre, einige dieser Instrumente und Tools, die Forschungs- und Entwicklungszusammenhängen an Hochschulen entstammen, hier vorzustellen. Allen gemeinsam ist ein förderdiagnostisches Verständnis. Diagnostik und Förderung werden nicht als Suche nach Defiziten und ihrer Behebung verstanden, sondern als pädagogisch verstandene Analyse der Lernausgangslagen und Entwicklungsstände, der förderlichen und hinderlichen Rahmenbedingungen, um Ressourcen zu entdecken. Eine so verstandene Diagnostik ist eine wichtige Grundlage für Lehrkräfte, um die „Zone der nächsten Entwicklung auszuloten, entsprechende Lernangebote zu entwickeln oder bereitzustellen und Kinder bei ihrem Lernen dann zu begleiten. Die Lernbegleitung wird im zweiten Heftteil vor allem aus fachdidaktischer Perspektive thematisiert. Diagnostische Verfahren und pädagogische Aspekte stehen in den Beiträgen in diesem Heftteil im Vordergrund:
Gisela Kammermeyer plädiert für eine stärker entwicklungsbezogene Kooperation zwischen KiTa und Grundschule, realisierbar durch gemeinsame Bildungsdokumentationen, durch Nutzung von gemeinsamen diagnostischen Instrumenten in KiTa und Grundschule. In Deutschland fand die Auseinandersetzung mit den Aufgaben von Beobachtung, Diagnostik und Dokumentation im Elementar- und Primarbereich bisher mit wenig Bezug aufeinander statt. Die hier und in den weiteren Beiträgen dann im Detail vorgestellten Verfahren und Tools entsprechen alle dem Anspruch, Elementar- und Primarbereich stärker in dieser Frage aufeinander zu beziehen. Ute Geiling und Katrin Liebers stellen in ihrem Beitrag die individuelle Lernentwicklungsanalyse ILEA T als eine Verbindung zwischen frühpädagogischen Bildungsdokumentationen und schulischen Lernstandsanalysen für den Anfangsunterricht vor. Schwerpunkte sind dort die schriftsprachliche...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen