1. – 6. Schuljahr

Jan von der Gathen

Lerngeschichte

Jens* lebt seit seinem 4. Lebensjahr mit seiner Mutter und zwei kleinen Geschwistern in der Dortmunder Nordstadt. Sie sind nach dem Tod des Vaters aus Sachsen-Anhalt hierher gezogen, er war dort Metzgermeister. Nun sind die „4 eine eingeschworene Gemeinschaft, die achtsam und liebevoll miteinander umgeht. Insbesondere Jens übernimmt als „der Große Verantwortung. Die Familie lebt in einer Wohnung in einem ruhrgebietstypischen Hinterhof. Jens ist in der Klasse anerkannt und wird bald zum Klassensprecher gewählt.
Seine fachlichen Leistungen in Mathematik sind sehr gut, im sprachlichen Bereich tut er sich schwerer. Sport ist sein Steckenpferd, insbesondere die Ballsportarten.
Im ersten Elterngespräch erzählt die Mutter sehr zurückhaltend die „Lernvergangenheit von Jens und die wichtigen Stationen der „Lebensvergangenheit der Familie. Sie ist sehr bescheiden und als der Lehrer von Jens schulischen Erfolgen berichtet, ist sie beschämt-erfreut. In der Psychologie heißt dies wohl: eine geringe „Selbstwirksamkeitserwartung.
Das von der Schule täglich geöffnete Elterncafé besucht die Mutter regelmäßig und nutzt dort stattfindende Beratungsangebote. Immer wieder gibt es den direkten Kontakt zur Familie, zur Mutter. Jens Schwächen im Bereich „Rechtschreibung werden gezielt angegangen. Durch seine schnelle Auffassungsgabe und sein vernetztes Denken stellen sich auch hier Erfolge ein.
Springen wir in das Gespräch zur Übergangsempfehlung für die weiterführende Schule. Ein wenig nervös sitzt Jens Mutter dem Klassenlehrer gegenüber. Die Empfehlung der Schule lautet: „Gymnasium oder Gesamtschule. „Aber doch nicht Jens, nicht unsere Familie!, so die erste Reaktion der Mutter. „Doch, wir empfehlen für Jens das Gymnasium, so der Klassenlehrer. „Aber ich bin doch allein, kann ihm später dann nicht helfen.
In unserer Familie war bisher noch nie jemand auf dem Gymnasium …“ Es braucht ein zweites und sogar drittes Gespräch, um aus der beschämt-abwartenden Reaktion eine selbstbewusste Entscheidung zu machen. Das Gymnasium arbeitet eng mit der Grundschule aus der Nordstadt zusammen. Es wurden in den letzten Jahren für die „Nordstadtschüler (und nicht nur für diese) passgenaue Unterstützungsangebote entwickelt und auch die Klassenlehrerteams gezielt ausgewählt.
Und: Jens geht erfolgreich seinen Weg auf dem städtischen Gymnasium.
* Name geändert

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