1. – 6. Schuljahr

Diemut Kucharz | Andreas Feindt

Lernen aktiv begleiten

Kinder lernen aus innerem Antrieb im Spiel, in der Auseinandersetzung untereinander, von Geschwistern, Eltern, Vorbildern. In der Schule lernen sie zielgerichtet und sollen dabei auch individuell gefördert werden. Welche Anforderungen stellt das an die Lehrkräfte? Wie kann eine aktive Begleitung aussehen, die kindlichen Forscherdrang und Kompetenzen integriert?

„Guter Unterricht ist ein Unterricht, in dem mehr gelernt als gelehrt wird. Was bedeutet diese Aussage von F. E. Weinert (1998) für die Gestaltung von Unterricht und für die Rolle der Lehrpersonen? Sind sie nur noch „Lernbegleiter, die nicht mehr lehren, sondern sich auf das „Feedback (Hattie 2009) konzentrieren? Ist „Zurückhaltung das entscheidende Attribut, das erfolgreiche Lehrkräfte kennzeichnet?
Lehren versus Lernen?
Die didaktischen, schulpädagogischen, aber auch bildungspolitischen Diskussionen der letzten Jahre über selbstgesteuertes Lernen, Individualisierung und Kompetenzorientierung legen diesen Schluss nahe. Auf der anderen Seite hat die Forschung über Unterrichtsqualität herausgearbeitet, dass weniger Lehren durchaus nicht automatisch mit mehr Lernen einhergeht. Das Problem eines Unterrichts, in dem die ganze Aufmerksamkeit auf dem Lehren liegt, lässt sich also ganz offensichtlich nicht dadurch lösen, dass auf das Lehren verzichtet wird. Wie so oft in der Pädagogik geht es nicht um ein „Entweder-Oder. Entsprechend hat Lothar Klingberg (1986) das Verhältnis von schulischem Lehren und Lernen als ein dialektisches beschrieben. Beide Seiten sind ohne die jeweils andere nicht angemessen zu fassen. So geht es also um die Herausforderung, das eine zu tun ohne das andere zu lassen.
Vor diesem Hintergrund haben wir das Thema für die vorliegende Ausgabe der GRUNDSCHULZEITSCHRIFT gewählt. Beim Blick auf das Lernen der Schüler(innen) geht es immer auch um die Lehrpersonen, ihre Interventionen, Kompetenzen und didaktischen Strukturierungen. Es geht darum, das Lernen aktiv zu begleiten und näher zu beleuchten, was hierbei die Aufgaben der Lehrkräfte sind. Stefanie Schnebel (2014) stellte im Heft 271 der GRUNDSCHULZEITSCHRIFT die Frage, wie eine kognitiv aktivierende, strukturierende und adaptive Lernbegleitung aussieht. Dabei versteht sie unter „kognitiv aktivierend die Tiefenstruktur des Lernens, also was genau verstanden, durch- und nachgedacht wurde. Unter einer strukturierenden Lernbegleitung sind vor allem metakognitive Prozesse gemeint, die den Lernprozess planen und strukturieren. Adaptiv ist die Lernunterstützung dort, wo sie genau am Lernstand des Kindes und seiner Motivation ansetzt.
Lernen unterstützen
Wie kann ich das Lernen von Kindern wirkungsvoll unterstützen? Der Fokus dieser Frage ist also ein doppelter: Ich muss das Lernen der Kinder in seiner Vielschichtigkeit verstehen und ich muss klären, was ich als Lehrperson aktiv dazu beitragen kann, dass das Lernen der Schüler(innen) gelingt. Anders ausgedrückt die aktive Begleitung des Lernens erfordert eine enge Verzahnung von Diagnostik und Förderung: Die Lernstanddiagnostik gibt einen Einblick darüber, auf welchem Niveau sich das einzelne Kind in einem spezifischen Sachverhalt befindet, mit welchen Strategien es sich an die Bearbeitung domänenspezifischer Herausforderungen macht und welches der nächste Entwicklungsschritt ist. Die Unterstützung des Kindes erfolgt dann genau so, dass das Kind diese nächste Stufe erreichen kann das nennt man adaptive Lernunterstützung. Dazu braucht es neben der Diagnose des fachlichen Lernstands auch die Analyse der Motivation, Selbstständigkeit, Arbeitsorganisation und Lernstrategien auf Seiten des Kindes sowie der besonderen inhaltlichen Herausforderungen oder möglichen Stolperstellen bei der Erarbeitung des Gegenstands. Dies alles gibt der Lehrperson Hinweise auf den nächsten Lernschritt und darauf, auf welcher Ebene ihre Unterstützung ansetzen muss.
Lernen und...

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