1. – 6. Schuljahr

Ute Geiling | Katrin Liebers

Individuelle Lernwege im Übergang wahrnehmen

Die individuelle Lernentwicklungsanalyse ILEA T

ILEA T verknüpft frühpädagogische Bildungsdokumentationen und Lernstandsanalysen im Anfangsunterricht. Das in der Praxis erprobte Beobachtungswerkzeug und seine Materialien und Instrumente einer pädagogisch-didaktischen Diagnostik werden im Beitrag beschrieben.

Je mehr sich die Grundschule zu einer „Schule für alle entwickelt, umso mehr verlieren „klassische Zielstellungen der Schuleingangsdiagnostik an Bedeutung und umso mehr ist die Zusammenarbeit zwischen Kita und Grundschule gefragt. Diagnostische Fragen nach dem „richtigen Einschulungszeitpunkt und dem „richtigen Schultyp treten in den Hintergrund, während Fragen nach dem (schon) Können des einzelnen Kindes, die Suche nach individuellen Unterstützungsmaßnahmen und passenden Lern- und Entwicklungsangeboten ins Zentrum der Aufmerksamkeit von Kita und Schule rücken. Um Pädagog(inn)en von Kita und Schule in diesem, auf eine engere Zusammenarbeit ausgerichteten, Veränderungsprozess zu unterstützen, wurden im Rahmen des Forschungsprojekts ILEA T1 Materialien und Instrumente einer pädagogisch-didaktischen Diagnostik entwickelt, erprobt und der Praxis zur Verfügung gestellt.
Bessere Verzahnung von Kita und Schule durch gemeinsame Diagnostik
Internationale Studien zur Kooperation von Kindergarten und Grundschule (z.B. Athola u.a. 2011) zeigen, dass Aktivitäten der Zusammenarbeit von Kita und Schule eine positive Lernentwicklung der Kinder tatsächlich unterstützen können. Dies gilt aber nicht generell. Es kommt vielmehr auf die Art der Zusammenarbeit an. So sind positive Auswirkungen der Kooperation von Kita und Schule auf die Lernentwicklung der Kinder nur dann nachweisbar, wenn diese auch die gemeinsame Konkretisierung der Curricula und die Weitergabe von Informationen zur Lernentwicklung der einzelnen Kinder beinhalten. Diese Befunde deuten unter anderem auf die Notwendigkeit der Verzahnung diagnostischer Vorgehensweisen zwischen Kita und Schule hin. Eine derartige Verzahnung ist wiederum nur dann möglich, wenn Verfahren zur Verfügung stehen, die sowohl an die Kultur der Bildungsdokumentationen im Kitabereich (z.B. Lerngeschichten, Portfolios, starkes Augenmerk auf Themen und Interessen der Kinder) als auch an die Kultur der Lernstandserhebungen des Schuleingangsbereichs (Diagnose von Vorläuferfertigkeiten, Erfassung domänenspezifischer Kompetenzen) anschlussfähig sind.
Bei der Entwicklung der ILEA-Instrumente und Materialien wurde dieser „Brückenschlag versucht, indem z.B. eher kitaspezifische Beobachtungen der Themen und Interessen des Kindes mit eher schulspezifischen Fragen nach sprachlichen, schriftsprachlichen und mathematischen Kompetenzen des Kinder zusammengeführt und offene Methoden der Befragung und Beobachtung mit Verfahren standardisierter Lernstandserhebungen kombiniert werden.
Mit der Bereitstellung eines gemeinsamen diagnostischen Verfahrens für Kita und Schule ist die Erwartung verbunden, dass die Kommunikation und Kooperation zwischen Kita, Schule und Familie unterstützt und der interinstitutionelle Transfer diagnostischer Informationen gefördert wird (Liebers, Geiling & Prengel 2012, 233ff.). Das Konzept von ILEA T wird im Folgenden anhand von sechs Leitideen beschrieben (vgl. Geiling, Liebers, Prengel 2015, 12 ff.).
Leitideen von ILEA T
Anerkennung jedes Kindes in heterogenen Lerngruppen
In der ersten Leitidee wird die konzeptionell angelegte inklusionspädagogische Rahmung des Konzepts sichtbar. Sie fordert die Anerkennung jeder kindlichen Persönlichkeit. Jedes Kind hat Anspruch auf eine anerkennende und ermutigende Kommunikation. Es soll unabhängig von seinem Entwicklungs- und Leistungsstand im Alltag immer wieder erleben, dass es kompetent und liebenswert ist und geachtet wird.
Didaktische Diagnostik
Laut Leitidee 2 werden die Entwicklungs- und Lernstände von Kindern in...

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