1. – 6. Schuljahr

Andreas Paschon

Individuelle Entwicklung im Zentrum

Das Salzburger Beobachtungskonzept

Im zweistufigen Salzburger Beobachtungskonzept wird die individuelle Entwicklung eines Kindes in vielen Bereichen in den Blick genommen zunächst im Überblick und dann je nach Bedarf einzelne Aspekte im Detail. Das regelmäßige Screening wird im Beitrag mit seinen Chancen für die Verbesserung des Übergangs von einer Bildungsinstitution zur nächsten vorgestellt.

Das Motto „Jedes Kind ist Mittelpunkt war der Ausgangspunkt bei der Konzeption des Salzburger Beobachtungskonzepts (kurz SBK) 2004 und ist es bis heute geblieben, denn SBK versucht, die Stärken und Ressourcen jedes Kindes in den Mittelpunkt zu rücken, ohne jene Bereiche zu vernachlässigen, in denen das Kind noch nicht so weit entwickelt ist und besondere Unterstützung benötigt.
Konzept und Materialien
Das Konzept wurde am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Salzburg unter der Leitung von Dr. Andreas Paschon entwickelt (Paschon 2008, 2013a). Seit 2004 haben rund 3.500 Pädagog(inn)en einen SBK-Kurs absolviert, rund 1.000 von ihnen arbeiten lizenziert mit den Bögen in Deutschland, Österreich, Südtirol und Luxemburg. Von zentraler Bedeutung ist, dass bei SBK Kinder nicht getestet werden, sondern mit Unterstützung von Fokusschildern durch ihre Pädagog(inn)en in unterschiedlichsten Facetten bewusst wahrgenommen und gefördert werden: individuell, effektiv und vor allem fast nebenbei in Alltagssituationen.
Das Salzburger Beobachtungskonzept wurde zunächst für den Kindergarten entwickelt, deckt aber inzwischen die folgenden Alterspannen mit jeweils adaptierten Bögen ab: 0 bis 3 Jahre, 3 bis 6 Jahre, 6 bis 10 und schließlich 10 bis 15 Jahre. Insbesondere für die Transition vom Kindergarten in die Grundschule kann SBK besonders nutzbringend eingesetzt werden. Zunächst wird SBK aus der Perspektive Kindergarten geschildert, denn es geht primär darum, Grundschulpädagog(inn)en deutlich zu machen, welchen Nutzen und Mehrwert sie aus dem Transitionsprozess ziehen, wenn Kinder in der abgebenden Institution bereits auf SBK-Basis begleitet worden sind.
Anwendung im Kindergarten
SBK umfasst in jeder Altersstufe ein doppelseitig bedrucktes und gefalztes A3-Blatt, also in Summe vier Seiten, wobei Seite1 zunächst einem groben Screening dient (Abb. 1 , Fallbeispiel Martin), die Seiten 2 und 3 einer gezielte Fokussierung/Detailabklärung sowie der individuellen und kindorientierten Förderung. Seite 4 schließlich hält die Verwertung der Einschätzungen und Beobachtungen fest, z.B. in Bezug auf Elterngespräche.
Ein zentraler Aspekt bei der Entwicklung des Konzepts war es, nicht punktuell zu testen (z.B. Schuleignung, Sprachstand), sondern Pädagog(inn)en zu sensibilisieren, Entwicklungen über Zeiträume hinweg gezielt wahrzunehmen und die Meilensteine, Critical and Magic Moments systematisch zu dokumentieren. Damit diese Entwicklung auch visualisierbar ist, kommen obligatorisch und standardisiert auf dem Bogen drei Farben zum Einsatz: Sämtliche Eintragungen im Herbst werden (ausschließlich!) mit Rot geschrieben, alle Ergänzungen im Winter mit Blau und dem Frühjahr sind die Eintragungen in Grün eindeutig zuzuordnen. Folglich macht sich die Pädagogin ein Bild über die Entwicklung der Kinder anstelle einer notdürftigen und zu kurz greifenden Etikettierung durch einmalige Testung. Sollte ein Kind (wie das Fallbeispiel Martin in Abbildung 1 ) aus einem SBK-Kindergarten kommen, kann man in der Grundschule davon ausgehen, dass dort eine Elementarpädagogin über die Zeitspanne von drei Jahren bis zu neun Mal Einschätzungen und Beobachtungen zusammengetragen hat, womit SBK sowohl dem Austausch im Transitionsprozess als auch der rechtzeitigen Bereitstellung von anzustrebenden Begleitmaßnahmen in der Schule dienen kann. Zudem werden Eltern nicht erst am Übergang einbezogen, sondern erleben bereits über die gesamte Kindergartenzeit hinweg, dass...

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