1. – 6. Schuljahr

Heike de Boer

Voneinander und miteinander lernen

Gemeinsam entdecken Kinder ihren Ort mit Studierenden

Ich wünsche mir, dass die GeKOS für immer bleiben, schrieb der syrische Zweitklässler Onur auf eine Wunschkarte. Diese Karte schickte er zusammen mit einem Luftballon am Last-Day des Projektes in den Himmel. Ein schönes Feedback für seine Mentorin.

„Gemeinsam entdecken Kinder ihren Ort mit Studierenden GeKOS richtet sich an sechs- bis zwölfjährige Schülerinnen und Schüler mit Fluchtgeschichte und an Studierende der lehrerbildenden und pädagogischen Studiengänge am Campus Koblenz. GeKOS ist ein Mentoringprojekt, d.h. Studierende und Schulkinder bilden insgesamt 40 Tandems und treffen sich über acht Monate einmal wöchentlich am Nachmittag zu gemeinsamen Aktivitäten. Gerahmt wird das Projekt von einem Start-Day und einem Last-Day, an dem alle Beteiligten also Kinder, Eltern, Studierende, Lehrkräfte, Schulleitungen, Flüchtlingshelferinnen und -helfer sowie Dozentinnen und Dozenten Anfang und Ende des Projektes gemeinsam feiern. Das Projekt wird bis 2020 von der Schöpflin-Stiftung und dem Land Rheinland Pfalz gefördert.
Ziele des Projektes
2015 und im ersten Halbjahr von 2016 gelangten fast wöchentlich Familien mit schulpflichtigen Kindern auf der Flucht vor Krieg, Vertreibung und Zerstörung nach Rheinland-Pfalz. Vor diesem Hintergrund möchte GeKOS zur sozialen und kulturellen Integration von Kindern mit Fluchtgeschichte in die Region beitragen. Die Orientierung im Stadtteil, der Aufbau von Sozialkontakten und das Erlernen der deutschen Sprache nehmen dabei eine herausragende Rolle ein.
Die Studierenden werden für die Kinder zu wichtigen Bezugspersonen, die als Sprach- und Rollenvorbild fungieren, mit ihnen die Freizeit gestalten, gemeinsam etwas unternehmen und den Wohnort sowie kulturelle Rituale und Gebräuche erkunden. Dabei machen die Kinder Erfahrungen, die im Sinne des informellen Lernens kulturelle, soziale und sprachliche Lernprozesse anstoßen. Zugleich können sie sich in einer zuverlässigen Beziehung stabilisieren.
Die ersten gemeinsamen Projektwochen stehen unter dem Zeichen des Miteinander-Vertrautwerdens. Studierende und Kinder basteln, kochen, spielen zusammen Basketball, Fußball sowie Gesellschaftsspiele, gehen ins Kino oder auf den Weihnachtsmarkt. Dabei wird so viel wie möglich handlungsbegleitend gesprochen. Nach drei Monaten erweitern die Tandems ihr räumliches Umfeld, neue Orte werden gemeinsam besucht, z.B. der Zoo, der Schmetterlingsgarten, die Waldökostation oder die Festung Ehrenbreitstein. Zunehmend werden die Studentinnen von Kindern und Eltern auch nach Hause zum Essen eingeladen.
Damit wird ein zweiter wichtiger Zielbereich des Projektes angesprochen: Es möchte im Sinne der Professionalisierung zur reflexiven Auseinandersetzung mit dem „Eigenen und dem „Fremden beitragen. Die Studierenden erhalten wertvolle Einblicke in andere Kulturen und Lebenszusammenhänge, indem sie die Lebenswelt, den Alltag und die Familie der Kinder kennenlernen. Dabei machen sie positiv konnotierte Erfahrungen, aber auch solche, die ihnen fremd erscheinen oder sie irritieren. Begleitende Coaching-Veranstaltungen unterstützen die zukünftigen Lehrkräfte in ihrem Mentoringprozess.
Im neuen Lebensraum
Besonders die ersten Monate im neuen Lebensraum sind für Kinder und Eltern mit Fluchtgeschichte herausfordernd. Sie kennen das Lebensumfeld, die Sprache, die schulischen Gepflogenheiten, die Gebräuche und Rituale nicht. Nach einem oft langen und belastenden Fluchtweg, einem strapazierenden Aufenthalt in Auffanglagern, wird den Familien ein neuer Wohnort zugewiesen, der für alle fremd ist. So standen im ersten Halbjahr 2016 fast wöchentlich Eltern und Kinder vor dem Rektorenzimmer einer kleinen Koblenzer Grundschule, mit der wir kooperieren. Innerhalb eines halben Jahres ist dort die Anzahl der Schülerinnen und Schüler von 80 auf 120 Kinder angewachsen, denn die Schule hat 40...

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