1. – 6. Schuljahr

Samira Salem

Schwimmen mit Conni, Sharky und Hanadi

Gemeinsamer Schwimmunterricht

Im Islam findet sich kein Schwimmverbot, jedoch die Aufforderung, sportlich aktiv zu sein und die Kinder das Schwimmen zu lehren (vgl. Umar ibn al-Chattāb 2015). Warum verweigern viele muslimische Eltern die Teilnahme ihrer Kinder am Schwimmunterricht?

Die Haltung neu zugezogener muslimischer Eltern zum Schwimmbadbesuch fußt auf religiösen Pflichten im Islam, die die öffentliche Entblößung oder die Betrachtung knapp bedeckter Körper untersagen. Dieses kulturabhängig variierende Verständnis von Körperlichkeit insbesondere bezüglich muslimischer Mädchen ist ein heikles Thema für die Eltern (vgl. Burrmann u.a. 2015). Neben der Schwimmbekleidung stellen sich besonders das Umkleiden und Duschen in der Badeanstalt als Hürden heraus, die den Eintritt für Muslime problematisch werden lassen.
Wollen wir diese Familien verstehen, sollten wir die Hintergründe ihres Handelns kennen. Oftmals kommen sie aus einer geschlechtergetrennten Gesellschaft. Sich in einem weltoffenen System zu orientieren, fällt ihnen schwer, was aber nicht bedeutet, dass sie keinen Wassersport ausüben. Inas, eine 31-jährige syrische Mutter, sagte mir: „In Syrien ist es üblich, im See oder im Schwimmbad zu schwimmen. Im Sommer machen wir viele Ausflüge mit der Familie aber hier geht das nicht. Die Schwimmbäder sind offen für alle. Das gehört sich bei uns nicht. Zu Hause gibt es entweder Frauenbäder oder Männerbäder. Im See und am Meer gehen wir mit unserer Kleidung baden, weil das normal ist. Hier können wir nicht in ein Schwimmbad, und im Meer ist es zu gefährlich.
Eine Schwimmprojektwoche
Eine Möglichkeit auf den Schwimmunterricht vorzubereiten, sind Projekte wie ein Ferien-Sommercamp, das neu zugewanderten muslimischen Kindern den Einstieg in das Schwimmen in öffentlichen Bädern eröffnen kann. In Kooperation mit Lehramts-Studierenden der Bergischen Universität Wuppertal und der Stadtbibliothek am Röttgen entwickelten wir eine Einstiegsstrategie, die den Kindern einen ungezwungenen Zugang zum Baden und Schwimmen ermöglichte. Dazu wollten wir das Vorlesen von Kinderbüchern zum Thema Schwimmen mit Wasserspielen im unmittelbar benachbarten Schwimmbad verbinden. In einer Kinoatmosphäre wurden den Kindern die Geschichten „Conni macht das Seepferdchen (Schneider/Wenzel-Bürger 2001) und „Kapitän Sharky (Langreuter 2006) präsentiert und mit der Bilderbuch-App vorgelesen. Nach der Erzählrunde gingen wir mit den Kindern zum Schwimmbad, das sie durch die Scheibenfront im Flur erblicken konnten. Die Freude der Kinder war groß, als sie nun endlich in das Schwimmbad gehen konnten. Einige riefen: „Schwimmen wie Conni! und hüpften auf der Stelle.
Im Schwimmbad
Da viele der Kinder erst einige Wochen in Deutschland waren, erforderte die Kommunikation viel Fingerspitzengefühl und den Einsatz von Muttersprachlern. So wurde den Kindern schon vor Betreten des Schwimmbades vermittelt, sich an bestimmte Anweisungen und Regeln zu halten. Die erste Hürde war die Umkleidekabine, deren Systematik den meisten Kindern unbekannt war. Die meisten weigerten sich, ihre Kleidung abzulegen. Erst als sie eine eigene Umkleidekabine erhielten, zogen sie sich um.
Der nächste Schritt war der Weg von der Umkleide zur Dusche. Hier fragten die ersten Kinder: „Warum duschen wir, wenn wir doch ins Wasser gehen werden? Sie konnten sich die Logik des Duschens vor dem Schwimmen nicht erklären. In der Dusche senkten viele den Blick und sagten mir, wie peinlich es ihnen sei vor Fremden zu duschen. Amal (zwölf Jahre) sagte mir: „Tante, ich schäme mich.
Nun ging es weiter zum Nichtschwimmerbecken. Hier warteten schon viele Materialien und die studentischen Helferinnen. Bevor wir am Becken ankamen, rannte ein Mädchen auf das Wasser zu und sprang jubelnd hinein. Das Team holte sie schnell aus dem Wasser. Obwohl sie nicht schwimmen konnte, sah man ihr die Freude an. Später stellte...

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