1. – 6. Schuljahr

Samira Salem

„Schule macht mir Angst …“

Arbeit mit neu zugewanderten Eltern

In der Grundschulzeit wird auf die Elternarbeit mehr Wert gelegt als in den weiterführenden Schulen. Besonders neu zugewanderte Eltern bringen sich in den Grundschulen wenig ein. Ist es mangelndes Interesse an Bildung? Fehlendes Wissen über unsere Schulen? Wie gelingt es, sie einzubeziehen?

Im Rahmen meiner Arbeit an Schulen und gemeinnützigen Einrichtungen in Wuppertal komme ich mit vielen geflüchteten Familien ins Gespräch und versuche, sie bei ihrer Integration in das gesellschaftliche Leben beratend zu unterstützen. Oft sind diese Eltern über unser Schulsystem irritiert und verunsichert, da es mit ihrem bisherigen Bild von Schule nicht zusammenpasst. Sie fühlen sich missverstanden und sind desorientiert. „Gelehrte werden mit Hochachtung betrachtet. Schüler grüßen die Lehrer nur mit gesenktem Blick und Scherze sind nicht erlaubt, berichtet mir ein Vater aus Jordanien.
Oft kennen diese Eltern nur ein geschlechtergetrenntes Klassen- und Schulsystem, in dem teilweise noch altmodische Lehrmethoden umgesetzt werden. „Wenn ich falsch schreibe in Suria (Syrien), dann Lehrer ganz böse schlagen meine Finger mit Lineal! (Mamun, 11 Jahre) Wenn ich versuche, diese Eltern zur Mitwirkung am Schulgeschehen zu motivieren, erhalte ich oft eine Antwort wie: „Schule macht mir Angst ich will nichts falsch machen. (Hamida, 42, Syrien)
Zu diesem fremden Bild von Schule kommen die Anpassungsschwierigkeiten dieser Familien an unsere Lebensweise. „Ein Lehrer wird nicht gestört oder gar kritisiert, berichten mir viele Eltern aus Syrien. Alles, was er sagt, wird akzeptiert und befolgt. Wenn das Kind die Schulpflichten nicht angemessen erfüllt und die Eltern in der Schule vorsprechen müssen, bedeutet das oft einen Gesichtsverlust für die gesamte Familie.
In Gesprächen mit diesen Eltern erfuhr ich, dass ihre Zurückhaltung auf die erfahrene Angst im Schulalltag der Heimat basiert. Dennoch fragten sie mich nach Fördermöglichkeiten für ihre Kinder und betonten ihren Willen, Neues zu erlernen. Allerdings gelten für sie zunächst andere Prioritäten im Alltag, die ihre Zeit, Kraft und Motivation vollständig in Anspruch nehmen.
Checkliste, Wochenplan und Hausaufgaben
In meinen Beratungsgesprächen werde ich von den Eltern oft nach Fördermöglichkeiten für ihre Kinder gefragt. Tipps wie: „Schauen Sie täglich in die Schultasche und Postmappe ihres Kindes, werden dankend angenommen. Eine kurze Einführung in unser Schulsystem durch einen arabischen Flyer des Ministeriums für Schule und Weiterbildung Nordrhein-Westfalen (s. Kasten S.54) hilft den Eltern, sich mit dem System vertraut zu machen. Daher rate ich, diesen Flyer in den Schulen auszulegen oder bei Anmeldungen und Gesprächen auszuteilen. Oft lesen Eltern diese Einführung und kommen mit vielen Fragen zurück, z.B.: Wie kommt mein krankes Kind auf eine Förderschule, oder was kann ich tun, um es auf das Gymnasium vorzubereiten?
Um die vorherrschenden Ängste der neuen Eltern abzubauen, führe ich spielerisch gestaltete Einführungsgespräche zum Thema Schulmaterial, Hausaufgaben und mehr durch. Den Umgang mit Lernmaterialien und die Arbeit mit Wochenplänen erkläre ich in diesen Gruppengesprächen anschaulich. Dabei stelle ich einen Beispielplan vor und lasse die Eltern mit den Schulbüchern der Kinder daran arbeiten, um sicherzugehen, dass sie es verstanden haben. Aufgrund der Sprachbarrieren und des unterschiedlichen Bildungsstandes der Eltern wende ich ein vereinfachtes nonverbales oder in Deutsch Arabisch übersetztes Plansystem an (Abb.1 ). Die erledigten Aufgaben werden gemeinsam besprochen.
Die Ordnung der Hefter zu verstehen und einzuhalten, den Stundenplan (Abb. 2 ), auf dem die Fächer in den Farben der Hefter markiert werden, zu Hause vergrößert an die Wand zu hängen ... das sind Tipps, die im Elterncafé entspannt besprochen werden So werden die Eltern in die Handhabung von Schul-...

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