1. – 6. Schuljahr

Haci-Halil Uslucan

Islamischer Relgionsunterricht

Eine Antwort auf die religiöse Diversität an Grundschulen

Religion kann für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in vielfacher Hinsicht wichtig sein. Hinsichtlich der zunehmenden religiösen Pluralität sind damit auch die Aufgaben der Grundschulen gewachsen. Ein Beispiel ist der Islamische Religionsunterricht.

Wenn Religiosität Kindern das Gefühl von Geborgenheit, von prinzipiellem Willkommensein als „Geschöpf vermittelt, kann sie eine psychische Ressource sein. Für Zuwanderer heißt das: Sie müssen sich in ihrer neuen Heimat nicht erst bewähren, um geliebt, anerkannt und wertgeschätzt zu werden, sondern als „Geschöpf Gottes sich dieser Liebe ohne Vorleistungen, ohne Qualifizierungen, ohne „Integrationsarbeit sicher wähnen. Insofern wird verständlich, dass umgekehrt der Rückbezug auf die eigene Religion dann intensiviert wird, wenn der soziale Alltag häufig Vorurteile und Ausgrenzungserfahrungen bereitet oder Unterlegenheitsgefühle produziert. Dann hilft die Religion, am Leben nicht zu verzweifeln, stärkt das Selbstvertrauen und festigt die Identität (vgl. Boos-Nünning/Karakasoglu 2005).
Gerade die Grundschule ist einer der bedeutendsten Orte, in dem Kinder bereits früh außerhalb der Familie Erfahrungen mit religiöser Vielfalt machen. ( vgl. Kasten) Alle Kinder besuchen diese Institution und kommen dort in Berührung mit anderen christlichen, muslimischen, jüdischen, buddhistischen, aber auch konfessionslosen Gleichaltrigen und Lehrkräften.
Kasten 1: Religiöse Pluralität in Deutschland: eine analyse
Kasten 1: Religiöse Pluralität in Deutschland: eine analyse
Wir erleben in den letzten 20 Jahren eine enorme religiöse Pluralisierung der Gesellschaft, die vor allem mit der jüngsten Fluchtzuwanderung einen deutlichen Zuwachs bekommen hat. Diese Pluralität religiöser Sinnangebote ist auch in der Schule angekommen. Diese Vielfalt wird besonders seit der Forderung muslimischer Verbände und Eltern nach einem konfessionell gebundenen Religionsunterricht an allgemeinbildenden Schulen recht prominent in der Öffentlichkeit diskutiert. Die gesellschaftlichen Voraussetzungen hierzu haben sich aber bereits ab den 1960er-Jahren mit der Gastarbeiteranwerbung gebildet. Spätestens mit dem Nachzug der Familien bzw. der Kinder ist das auch im Bildungsbereich manifest geworden.
Die lange Dominanz des christlich geprägten Deutschlands ist mit der Einwanderung von muslimischen Arbeitnehmern insbesondere aus der Türkei, aber auch Tunesien und Marokko, herausgefordert worden. Zugleich ist jedoch Ende der 1980er-Jahre, mit dem Zerfall des Ostblocks sowie der Wiedervereinigung Deutschlands, eine neue Form religiöser Vielfalt sichtbar geworden, und zwar die Präsenz einer hohen Zahl von konfessionslosen bzw. entchristlichten Gruppen aus der früheren DDR sowie der jüdischen Kontingentflüchtlinge aus der früheren Sowjetunion. Nicht zuletzt sind im Zuge der Globalisierung und der Ausweitung von Migrationsbewegungen religiöse Orientierungen von Menschen aus sehr entlegenen Ländern (Hinduisten, Buddhisten, afrikanischen Stammesreligionen etc.) zutage getreten, die das Mosaik der religiösen Landschaft in Deutschland bunter gemacht und die Angebote auf dem Religionsmarkt weiter vervielfacht haben (vgl. Willems 2016).
Fokussiert auf den Bildungskontext sind mit dieser Diversität gleichzeitig auch die Aufgaben und Anforderungen der Schule gewachsen: Sie hat nunmehr neue pädagogisch-curriculare, administrative, kulturelle und politische Aufgaben zu bewältigen, so beispielsweise in der Gestaltung und Durchführung des islamischen Religionsunterrichts.
Muslimische Religiosität in der Schule
Im Folgenden wird besonders auf die Rolle und Relevanz von Religiosität für die muslimische Schülerschaft Bezug genommen. Der Islam bildet mit rund fünf Millionen Anhängern (die jüngste ab 2015 stattgefundene Fluchtzuwanderung eingerechnet) nach dem Christentum in Deutschland die...

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