1. – 4. Schuljahr

Amke Berthold | Christopher Hog | Uwe Kotschner | Robert Baar

Queere Lehrer*innen

Erfahrungen aus der Praxis

„Were here, were queer, get used to it! so lautet die Parole der bereits 1990 in New York gegründeten Aktivistinnen- und Aktivistengruppe Queer Nation. Sie wirbt damit für Anerkennung und Akzeptanz von Personen, die nicht der heteronormativen Matrix der Gesellschaft entsprechen, d.h., die nicht (ausschließlich) heterosexuell leben und damit nicht der gängigen sozialen Norm in Bezug auf sexuelle Lebensweisen folgen.

Bis Mitte der 1960er-Jahre wurden Personen in der Bundesrepublik Deutschland aus dem öffentlichen Dienst entlassen, wenn ihre queere Lebensweise publik wurde. Für Lehrerinnen und Lehrer galt dies sogar noch bis Mitte der 1970er-Jahre, da von ihnen, so die damalige Unterstellung, nicht nur eine sittliche, sondern auch eine physische Gefahr für die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen ausgehen sollte (vgl. Gollner 2016).
Heutzutage unterliegen homo- oder bisexuell lebende Lehrkräfte keiner strukturellen Diskriminierung mehr; selbst an katholischen Privatschulen werden Lehrkräfte nicht mehr entlassen, wenn sie ihren gleichgeschlechtlichen Partner bzw. ihre Partnerin heiraten (s. Abb. 1 & 2 ).
Dennoch: In einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2017 geben mehr als 90 Prozent der Lehrkräfte an, dass ihre Schülerinnen und Schüler sich in den letzten zwölf Monaten abwertend gegenüber queeren Menschen geäußert haben.
Jede zweite Lehrkraft berichtet von diskriminierenden Bemerkungen von Kolleginnen und Kollegen, und obwohl rund 80 Prozent der Lehrkräfte als Privatperson weitestgehend geoutet sind, trifft dies im beruflichen Kontext nur für einen Bruchteil von ihnen zu.
Verschiedene Stimmen aus der Praxis
Wir haben eine lesbische Grundschullehrerin und zwei schwule Grundschullehrer gebeten, von ihren persönlichen Erfahrungen im Schulkontext zu berichten. Die Auswahl der Personen geschah dabei eher zufällig, dennoch geben die Texte einen kleinen Einblick, welche Bedeutung eine sexuelle Lebensweise „jenseits der Norm für die Tätigkeit als Lehrerin bzw. als Lehrer haben kann.
Literatur
Antidiskriminierungsstelle des Bundes (Hrsg.) (2017). LSBTIQ*-Lehrkräfte in Deutschland. Diskriminierungserfahrungen und Umgang mit der eigenen sexuellen und geschlechtlichen Identität im Schulalltag. Online unter: https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Umfragen/LSBTIQ_Lehrerkraeftebefragung.pdf?__blob=publicationFile&v=2 [11.03.2020]
Gollner, G. (2016). Disziplinarsanktionen gegenüber Homosexuellen im öffentlichen Dienst. In Lautmann, R. (Hrsg.). Seminar: Gesellschaft und Homosexualität. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 105 – 124.

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen