1. – 4. Schuljahr

Conny Melzer

Herausfordernde Verhaltensweisen

Prosoziales Verhalten fördern als Prävention

Psychische Problematiken sind in Schulen weit verbreitet, und zwar unabhängig von der Entwicklung hin zu einem inklusiven Schulsystem. Daneben gibt es auch herausfordernde Verhaltensweisen, die erzieherische Ursachen haben. Auf diese Herausforderungen müssen Lehrkräfte im Unterricht reagieren. Hier werden vor allem präventiv angelegte Handlungsmöglichkeiten vorgestellt.

2018 lernten laut der aktuellen Statistik der Kultusministerkonferenz 18482 Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung an Grundschulen. Das sind fast 20% alle Schülerinnen und Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung (KMK 2020, S. 12).
Werden die einzelnen Bundesländer verglichen, so unterscheiden sich die Anteile erheblich: von 5% (Rheinland-Pfalz) bis 23% (Nordrhein-Westfalen) der Schülerinnen und Schüler mit Unterstützungsbedarf werden dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung zugeordnet (ebd.).
Beurteilung von herausforderndem Verhalten
In der aktuellen KiGGS-Studie (Klipker et al. 2018, S. 39) haben 16,4% der 9- bis 11-jährigen Kinder laut Auskunft der Eltern psychische Auffälligkeiten.
Andere Autorinnen bzw. Autoren berichten schon im Kindergartenalter bei ca. einem Drittel aller Kinder über Auffälligkeiten, wobei Erzieherinnen und Erzieher tendenziell mehr Kinder als auffällig einstufen als deren Eltern (Tröster & Reineke 2007).
Diese Unterschiede verweisen auf einen sehr wichtigen Aspekt, wenn wir uns mit dem Verhalten (anderer) beschäftigen: Dieses ist in unserer Beurteilung immer abhängig von der Norm, die wir als beurteilende Lehrkraft anlegen. Das heißt, dass selbst innerhalb einer Schule die Bewertung von Verhaltensproblemen unterschiedlich sein kann. Dies betrifft vor allem den Übergangsbereich, ab wann bereits von umfänglichen Verhaltensproblemen gesprochen wird und wann Probleme nur als punktuelle (Unterrichts-)Störungen angesehen werden. Bei gravierend von der grundgelegten Norm abweichendem Verhalten sind sich allerdings die meisten Lehrkräfte recht einig.
Dabei stellen „Verhaltensstörungen und der Umgang mit ihnen [] mit Sicherheit einen der Brennpunkte und eine der größten Herausforderungen im Hinblick auf die Schulentwicklung der kommenden Jahre dar (Stein & Müller 2015, S. 11). Daher besteht selbst bei unterschiedlichen Einschätzungen Handlungsbedarf (Abb. 1 ).
Gründe für Verhaltensauffälligkeiten
Die Gründe für Verhaltensauffälligkeiten können sehr unterschiedlich sein und sind für die Auswahl von Handlungsmöglichkeiten sehr bedeutsam. Das Wissen um Problemkonstellationen und Interaktionsmuster gibt wichtige Hinweise auf mögliche Handlungsansätze im konkreten Einzelfall. Da es nicht möglich ist, in einem solchen kurzen Einblick alle Gründe aufzuzeigen und da ein rezeptartiges Reagieren aufgrund der Individualität meist nicht erfolgreich ist, liegt der Schwerpunkt dieses Beitrags auf präventiven Maßnahmen: Wie kann Unterricht so gestaltet werden, dass es zu weniger Verhaltensauffälligkeiten kommt und/oder mit diesen positiv umgegangen werden kann?
Präventive Maßnahmen können eine Orientierung sein und Halt bieten für Kinder, die psychischen Belastungen ausgesetzt sind und herausfordernde Verhaltensweisen zeigen. Sie sind aber auch unterstützend für alle anderen Schülerinnen und Schüler in der Klasse.
Notwendigkeit präventiver Maßnahmen
Umweltbedingte Ursachen für Verhaltensstörungen sind grundsätzlich multifaktoriell und liegen in den Bereichen Familie, Schule/Hort, außerschulischen Organisationen (Vereine, Kirche), Peers und Mitschülerinnen bzw. Mitschüler sowie in den Medien (Myschker & Stein 2014, S. 91).
Neben diesen gibt es auch Ursachen in der Anlage (z.B. bei Depression) oder im Grad der Selbstbestimmung der betreffenden Schülerinnen bzw. Schüler (ebd., S. 92). Wichtig ist, dass es in diesen Bereichen und im...

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