1. – 4. Schuljahr

A. Kaltenböck-Luef | E. Hofmann-Wellenhof | E. Bešić | L. Paleczek | J. Lederer | B. Gasteiger-Klicpera

Alle Kinder im Unterricht erreichen

Ein partizipatives Projekt im Lehrkräfte-Kinder-Dialog

Die erfolgreiche Umsetzung eines inklusiven Schulsystems erfordert eine Veränderung der Unterrichtspraxis. Unterricht soll alle Kinder erreichen, auch jene, die als „jenseits der Norm gesehen werden. Das europäische Projekt „Reaching the ‚hard to reach‘ “ widmet sich der Umsetzung dieser Idee und wird hier vorgestellt.

In vielen europäischen Ländern, aber insbesondere in Österreich, ist die Herkunftsfamilie der wichtigste Prädiktor für den Bildungserfolg von Kindern (Nusche et al. 2016).
Das Projekt „ReHaRe
Um dies zu verändern, wurde das Erasmus+-Projekt ReHaRe konzipiert (s. Infokasten), in dem sich Grundschulen und Universitäten aus fünf EU-Ländern (Österreich, Großbritannien, Portugal, Spanien und Dänemark) zum Ziel gesetzt haben, den Unterricht so zu gestalten, dass alle Kinder erreicht werden.
Info: ReHaRe Reaching the „hard to reach: Inclusive responses to diversity through child-teacher dialogue1
Info: ReHaRe Reaching the „hard to reach: Inclusive responses to diversity through child-teacher dialogue1
Das Projekt hat zum Ziel, die Praxis des Lehrens und Lernens in den Grundschulen in inklusiver Weise weiterzuentwickeln. Alle Schülerinnen und Schüler insbesondere jene, die schwer erreichbar scheinen sollen am Unterricht teilhaben können.
Um dies zu realisieren, wurde das „Inclusive Inquiry-Modell entwickelt (übersetzt: Inklusive Umfrage), das auf den drei Elementen „Planen Unterrichten Evaluieren basiert und partizipative Forschung mit Kindern in den Dialog einbezieht.
Auf der Homepage des Projekts (https://reachingthehardtoreach.eu/ [24.03.2020]) werden die entwickelten Materialien sowie das Modell beschrieben und in mehreren Sprachen zur Verfügung gestellt.
Alle Kinder einbeziehen
Als „hard to reach schwer erreichbar werden hierbei Kinder gesehen, die zu einem gegebenen Zeitpunkt Schwierigkeiten in der Teilhabe im Unterricht sowie in sozialen Beziehungen erfahren.
Das Projekt bezieht sich nicht auf eine spezifische Gruppe von Kindern und verzichtet somit auf eine Kategorisierung, da Kategorisierung die Gefahr von Stigmatisierung und Marginalisierung in sich birgt (Messiou 2016). Jedes Kind kann in einer Klasse zu einem gegebenen Zeitpunkt „hard to reach sein, und es ist die Aufgabe von Lehrpersonen, den Unterricht so zu gestalten, dass alle Kinder einbezogen werden. Daher ist die Partizipation der Schülerinnen und Schüler in der Unterrichtsentwicklung ein wichtiges Element des Projekts. Um diese Partizipation zu ermöglichen, wurde das „Inclusive Inquiry-Modell entwickelt.
Das „Inclusive Inquiry-Modell
Das Modell besteht aus vier Phasen. In der ersten Phase werden Schülerinnen und Schüler zu Kinderforscherinnen und -forschern ausgebildet, die ihren eigenen sowie den Lernprozess ihrer Mitschülerinnen und -schüler beobachten und verstehen lernen. Die Kinder werden darin geschult, kurze Unterrichtssequenzen zu beobachten, die Meinung der Lernenden zum Unterricht einzuholen sowie erfolgreiche und hinderliche Faktoren für den Lernprozess zu identifizieren.
In den drei weiteren Phasen (Planen Unterrichten Evaluieren) bilden je drei Lehrpersonen aus unterschiedlichen Klassen (bestenfalls jedoch aus derselben Klassenstufe) ein Trio. Gemeinsam mit drei Kinderforscherinnen und -forschern (je drei Kinder aus jeder der drei Klassen) planen die drei Lehrpersonen eine Unterrichtsstunde, die sog. Triostunde, die sie nacheinander in ihren Klassen unterrichten, während die anderen zwei Lehrpersonen und Kinderforscherinnen bzw. -forscher den Unterricht beobachten.
Nach jeder Unterrichtstunde findet eine lösungsorientierte Auswertung der Beobachtungen statt mit dem Ziel, die Unterrichtsstunde weiterzuentwickeln. Die Triostunde wird insgesamt dreimal unterrichtet, wobei...

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