1. – 6. Schuljahr

Wolfgang Beutel | Mario Förster

„Wir bestimmen mit!

Wahlen in der Grundschule

Worum kümmern sich Wahlprojekte in Grundschulen? Und wie genau funktionieren sie? Im Beitrag werden Beispiele aus dem Wettbewerb „Demokratisch handeln vorgestellt und verglichen.

Es gibt in der gegenwärtigen pädagogischen Diskussion drei Argumentationslinien, die für eine demokratische Partizipation von Kindern in der Grundschule sprechen. Zum einen strahlt die Anerkennung und Novellierung der Kinderrechtskonvention der UN auf die Pädagogik aus. Damit sind Staat und Gesellschaft bei uns gefordert, dem Kindeswohl Vorrang zu geben und die Grundprinzipien der Kinderrechtskonvention nicht nur zu achten, sondern auch umzusetzen. Eines der wesentlichen Grundprinzipien ist die nach Art. 12 festgelegte Meinungsfreiheit, die den Kindern das Recht zusichert, ihre „… Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern und sie auch in allen die Kinder betreffenden Entscheidungen berücksichtig zu sehen. Das lenkt den Blick auf „das Kind als Subjekt mit eigenen Rechten und Interessen (Krappmann 2015, S. 78), das in seinen Angelegenheiten mitbestimmend gehört werden muss. Die Mitwirkungsrechte werden dabei als „Anhörungsrecht formuliert.
Die zweite Argumentationslinie kommt aus den sich seit Jahren verstärkenden Ansätzen zum erfahrungshaltigen Lernen von Demokratie in pädagogischen Institutionen und der Lebenswelt der Kinder (Beutel/Fauser/Rademacher 2012). Es wird inzwischen anerkannt, dass diese institutionelle Pädagogik zur politischen Sozialisation der Lernenden beiträgt und es deshalb von besonderem Gewicht ist, dort eine demokratische Atmosphäre zu etablieren und Formen der Mitbestimmung in allen Ebenen zu gestalten. Lernen wird dabei als umfassendes Konzept verstanden, in dem vor allem das Tun und zugehörige praktische Erfahrungen zur Ausprägung von Handlungsfähigkeit beitragen.
Drittens wird inzwischen deutlich gesehen, dass es keine grundlegenden Unterschiede zwischen den Bildungseinrichtungen gibt, um demokratisches Lernen als Querschnittsaufgabe zu etablieren und zu professionalisieren. Das fängt in einer Pädagogik der Kinderbetreuung und der Kindertagesstätten an (Hansen/Knauer/Sturzenhecker 2011) und sollte sich bis zum Studium und zur Berufsbildung durchziehen. Insbesondere die pädagogische Struktur und Eigenqualität der unterschiedlichen Stufen und Formen der Bildungsinstitutionen kommen dabei in den Blick, weil diese nicht mehr als abgeschlossene Eigenwelten betrachtet werden, sondern mit Blick auf eine durchgängige Bildungsbiografie.
Vor diesem Hintergrund sollte die Grundschule besonderes über eine Beteiligungsform nachdenken, die eine elementare Qualität der Demokratie darstellt: die Beteiligung von Kindern an Entscheidungen durch Wahlen. Wahlen sind ein Grundelement jeder demokratischen politischen Ordnung und Struktur gleichwohl nur eines unter mehreren (Rechtssicherheit, Gewaltenteilung, Vereine und Verbände, Wirtschaft und freier Markt, politische Kultur, Meinungsfreiheit und Zivilgesellschaft um die wichtigsten anderen zu nennen). An Wahlen lernen Kinder die Bindung von Entscheidungen an Regeln und Verfahren sowie das Prinzip der Mehrheitsentscheidung, das sich mit dem des Minderheitenschutzes pädagogisch verbinden sollte. Sie lernen, Interessen zu artikulieren, sie in Gruppen öffentlich darzustellen, Alternativen abzuwägen, und sie gestalten erste Ansätze dafür, kreativ, konstruktiv und gewaltfrei mit Kompromissen und mit Konflikten umzugehen der Wesenskern demokratischer Kultur!
Wahlprojekte in der Primarstufe
In den Projekten des Förderprogramms „Demokratisch Handeln (Beutel/Fauser 2013) haben wir schon seit Jahren die Beobachtung gemacht, dass einerseits die Beteiligung der Grundschulen gemessen an ihrer Zahl im allgemeinbildenden Schulwesen zwar nicht übermäßig groß, dafür aber über die Jahre kontinuierlich präsent ist. Zehn bis zwölf Prozent aller Einsendungen...

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