1. – 6. Schuljahr

Wolfgang Beutel

Demokratiepädagogik und Grundschule

Entwicklungen, Erfahrungen und Aufgaben

Die Grundschule hat Traditionen als demokratischer Lernort, auf denen man aufbauen kann. Sie bedarf aber gleichzeitig der ständigen Entwicklung und des stetigen demokratischen Diskurses wie die Gesellschaft im Großen.

Niemand wird heute ernsthaft bestreiten, dass das Demokratielernen früh beginnt. Die jüngere pädagogische Diskussion betont dabei, dass ein Bewusstsein von den vorhandenen Rechten sowie die Erfahrungen der Anerkennung und der Möglichkeit zur Mitbestimmung bei Kindern von früh an gefördert werden müssen, weil das mit ihrer natürlichen Entwicklung korrespondiert.
Das beginnt schon in der Elementarerziehung in den Kitas und sollte im Idealfall natürlich auch das Aufwachsen und Lernen in Elternhaus und Familie prägen. Es scheint auch klar zu sein, dass diese substanzielle Form des Lernens und der zugehörige Lerngegenstand von „Demokratie, Gemeinsinn und Sozialität nicht nur eine individuelle Lernerfahrung zugrunde legt, sondern auf das Miteinander, das gemeinsame, differenzierende Lernen, auf Verantwortung und Kommunikation sowie auf soziale Anerkennung mehr noch als alle anderen Lernfelder in der Schule angewiesen ist. Zudem wird damit deutlich, dass die Schule ein Ort ist, der zum Demokratielernen geradezu herausfordert.
Dies gilt auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Geschichte und Gegenwart dieser modernen Institution sie selbst zunächst als grundsätzlich undemokratisch ausweist: Schule ist eine Pflicht-, ja eine Zwangsveranstaltung, weil „Erwachsene die Anweisungen geben und Heranwachsende sich danach richten müssen (Tillmann 2014, S. 84).
Demokratie von Anfang an
Grundschulen können und müssen einen erheblichen Beitrag dazu leisten, demokratische Handlungskompetenz zu ermöglichen und zu fördern. Demokratie in der Grundschule benötigt zwar eine an der Entwicklungsdimension sowie der Lernfähigkeit und den Lernmöglichkeiten der sie besuchenden Kinder orientierte Didaktik und Themenzuspitzung.
Aber sie ist in ihrer Grundstruktur nichts anderes als das Demokratielernen generell: der Beginn bzw. die Fortführung einer lebensbegleitenden Daueraufgabe, die in Korrespondenz zu den Anforderungen und der Lebenswelt der Kinder das heißt dann eben auch der jeweiligen Grundschule steht und die sich praktisch als dauerhafter Prozess in stetiger Veränderung zeigt.
Demokratiepädagogik in der Grundschule
Demokratiepädagogisch sind für ein solches Lernen zwei Aspekte grundlegend, „erstens die Auseinandersetzung mit Aufgaben und Problemen, die von wirklicher gegenwärtiger Bedeutung sind, und zweitens die Erfahrung des Handelns: Handeln und Politik ist die Sphäre des Handelns sui generis lernt man nur durch Handeln (Fauser 2006, S. 84). Diese knappe Charakterisierung dessen, was heute als „Demokratiepädagogik in Wissenschaft und Praxis der Schule anerkannt und diskutiert wird, wird hier zugrunde gelegt.
Erfahrungen aus der Grundschule Bad Münder
Die Schülerinnen und Schüler dieser Grundschule haben besonders engagiert die Möglichkeit der Schülerpartizipation aufgegriffen mit ihren „Demokratie-Paten (s. Zettel S.5). Ihre positiven Erfahrungen mit der Schülervertretungsarbeit in den Jahrgangsstufen 3 und 4 beflügelt sie geradezu, ihre jüngeren Mitschülerinnen und Mitschüler früh von dieser Arbeit und deren Beteiligungsqualität zu überzeugen. Mit Präsentationen, dem selbst erarbeiteten Handbuch und mit einer offensichtlich vorliegenden positiven Erfahrung von Wertschätzung, Mitbestimmung und Regel-Bewusstsein im sozialen Miteinander an der Schule stärken sie Grundelemente demokratischer Erfahrung und demokratischen Handelns, die über die Vorgaben der gesetzlichen Regelungen zur Schülermitbestimmung in den Grundschulen hinausweisen.
Dabei steht dieses Projekt an der Schule nicht allein. Im Förderprogramm „Demokratisch Handeln hat diese niedersächsische Grundschule seit...

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