1. – 4. Schuljahr

Andreas Köpfer | Kathrin Lemmer

„Wo können wir gut lernen?

Lern- und Rückzugsräume in inklusiven Schulen erkunden

Gerade in inklusionsorientierten Schulen werden zunehmend Differenzierungs- und Rückzugsräume eingerichtet. Welche Perspektiven haben Schüler und Schülerinnen auf diese Räume? Im Forschungsprojekt „Raum räumen wird gemeinsam erkundet, wie Rückzugsräume in der Schule genutzt werden. Die gesammelten Daten können für eine sich anschließende (Um-)Gestaltung von Lern- und Rückzugsräumen genutzt werden.

Inklusion bzw. inklusive Bildung ist aktuell ein zentrales Thema im erziehungswissenschaftlichen und schulischen Diskurs. Die Frage der Umsetzung von Inklusion wird auf unterschiedlichsten Ebenen des Bildungssystems gestellt, z.B. als schulorganisatorische, (fach-)didaktische oder auch räumliche Frage (Abb. 1 ). Der Erfolg im Reformprozess Inklusion wird überwiegend an Daten festgemacht. Seien es internationale Vergleichsstudien, Leistungsvergleichsstudien oder Studien zu Haltungen von Lehrkräften und weiterem pädagogischen Personal: Inklusive Schulentwicklung folgt dem Paradigma einer sogenannten „datenbasierten Schulentwicklung – zumeist bezogen auf die Schulleistung von Schülern und Schülerinnen.
Forschung zu Inklusion über die Köpfe der Kinder hinweg?
Kritisch ist dazu jedoch anzumerken, dass diejenigen, die im Zentrum der Bemühungen stehen, die Schülerinnen und Schüler, häufig nicht aktiv an diesen Entwicklungsprozessen beteiligt werden, weder als Mitglieder in Gremien, noch als Beteiligte im Forschungsprozess, die selbst Daten erheben und auswerten. Mehr noch: Es kann eine durchaus fragwürdige Diskrepanz beobachtet werden in dem Maß, wie forschungsbasiert Aussagen zu Inklusion und Heterogenität getroffen werden, jedoch Forschungsdesigns (insbesondere groß angelegte Vergleichsstudien wie z.B. TIMMS oder PISA) die Heterogenität von Lernenden nicht ausreichend berücksichtigen.
Im Gegenzug sollte also gefragt werden, wie Datenerhebung und Forschungsprozesse gestaltet werden könnten, damit Inklusion nicht als eine datenbasierte Schulentwicklung über Schülerinnen und Schüler hinweg gestaltet wird. Wie können diese als Forschungssubjekte aktiv am Prozess der Datenerhebung und -auswertung beteiligt sein und wie können Prozesse von Ein- oder Ausschluss, Partizipation oder Aussonderung gemeinsam mit ihnen sichtbar und bearbeitbar gemacht werden?
Im Folgenden wird ein Zugang zu inklusiver Schulentwicklung vorgestellt, der am Beispiel Raum/Räumlichkeiten die Perspektive der Schülerinnen und Schüler datenbasiert und partizipativ in den Blick nimmt.
Das Projekt „Raum räumen
„Drinnen und draußen stellen relationale und vielschichtige Phänomene dar. Gerade deshalb ist es notwendig, in inklusionsorientierten Schulen Räume in den Blick zu nehmen und Fragen zu stellen wie:
  • Wie werden die Räume unserer Schule genutzt, wann und durch wen?
  • Welche Normen werden dadurch aufgestellt, z.B. wer darf wann aus dem Klassenraum heraus?
  • Wie werden Differenzierungsräume didaktisch genutzt?
  • Wie nutzen Kinder die Räume der Schule in ihren Pausen?
„Wer von Inklusion spricht, der muss auch von Exklusion reden. (Dederich 2006, S. 11)
Es geht also darum, die Nutzung von Räumen dahingehend zu reflektieren, welche Diskriminierungen und Benachteiligungen möglicherweise dahinter verborgen sind, welche Kulturen, Strukturen und Praktiken von Raumnutzung sich in Schulen zeigen und wie sie auch bewusst (um-)gestaltet werden können.
Beteiligung der Kinder
Das Projekt „Raum räumen Bildung in differenzierten Lernräumen (Andreas Köpfer, Kathrin Lemmer und Gudrun Schönknecht, Pädagogische Hochschule Freiburg) erforscht die Nutzung von Lern- und Rückzugsräumen in Grundschulen aus der Perspektive von Schülern und Schülerinnen. Damit wird deren Perspektive in den Mittelpunkt gerückt und deren Stimmen Raum gegeben, was besonders im Sinne einer demokratischen Entwicklung der Kinder an Bedeutung gewinnt.
Vor...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen