1. – 4. Schuljahr

Alexandra Scherrmann

Kinder stellen Daten dar – aber wie?

Darstellungen als Seh- und Lösungshilfen

Kinder entwickeln mitunter sehr interessante Darstellungen für Daten, lässt man ihnen hierfür Freiraum. Diese Skizzen, Bilder, Strichlisten etc. sind aufschlussreich, lassen sie doch erahnen, wie Kinder denken und Informationen verknüpfen. An drei Unterrichtsbeispielen wird gezeigt, wie Kinder beim Darstellen von Daten vorgehen und wie man ihre Ideen im Unterricht produktiv aufgreifen und weiterentwickeln kann.

Ein Blick in verschiedene Schulbücher zeigt, dass Strichlisten, Tabellen sowie Säulen- oder Balkendiagramme gängige Darstellungsformen in der Primarstufe sind (s. auch Beitrag von Reuter und Schuler in dieser Ausgabe).
Im Unterricht geht es sowohl um das Lesen solcher Darstellungen zur Informationsentnahme als auch um das korrekte, „saubere Anfertigen solcher Zeichnungen mit dem Zweck der adäquaten Darstellung von Informationen. Letzteres ist auch im Zeitalter zahlreicher digitaler Möglichkeiten zur Diagrammerstellung – ein bedeutendes Lernfeld, auf dem wir uns mit den Schülerinnen und Schülern bis zum Ende der Primarstufenzeit immer wieder bewegen.
Die Erarbeitung von Datendarstellungen im Unterricht
Meist dürfte es so ablaufen, dass in Anlehnung an das Schulbuch eine Darstellungsart eingeführt und anschließend das Anfertigen durch verschiedene nachfolgende (Schulbuch-)Aufgaben geübt wird.
Kinder entwickeln Darstellungen von Daten
Eine große Chance liegt aber darin, wenn ein konkreter bereits bestehender Anlass zur Darstellung von Daten genutzt werden kann und die Schülerinnen und Schüler „ihre Daten frei darstellen dürfen. Zwar kommt hierbei zunächst kein fertiges Säulen- oder Balkendiagramm heraus, jedoch werden andere wichtige Kompetenzen erworben, wie nachfolgende Beispiele aus dem Mathematikunterricht zeigen.
Bei diesem Vorgehen ändert sich gewissermaßen die „Intentionsrichtung: Nicht ein bestimmter Darstellungstyp (z.B. das Säulendiagramm) ist das Ziel am Ende der Stunde, sondern die Kompetenz, nach Reflexionsprozessen (mindestens) eine „angemessene bzw. „gute Darstellung zu finden. Das Kriterium der „Angemessenheit wird dialogisch im sozialen Austausch ausgehandelt, indem Vor- und Nachteile der entstandenen Darstellungsarten besprochen und sinnvolle Weiterentwicklungen gemeinsam herausgearbeitet werden. Die Kinder überarbeiten ihre jeweiligen Darstellungen und entwickeln diese beispielsweise so weiter, dass
  • andere diese leichter verstehen können,
  • sie übersichtlicher sind und
  • Informationen, die vermittelt werden sollen, besser entnommen werden können.
Der Datenkreislauf ein fortschreitender Prozess
Wie kann man Kinder anregen, eine Datendarstellung zu entwickeln? Startpunkt stellt immer eine herausfordernde inhaltliche Frage- oder Problemstellung dar. Diese legitimiert den individuellen Aufwand, Daten zu erheben und darzustellen sowie nach einer Reflexionsschleife ggf. die Darstellung zu überarbeiten. Am Ende des Prozesses kann idealerweise die inhaltliche Frage- oder Problemstellung unter Zuhilfenahme der „angemessenen Datendarstellung geklärt werden oder aber es schließen sich neue Fragen an.
Dieser Prozess lässt sich als Kreislauf darstellen (Abb. 1 in Anlehnung an Wild & Pfannkuch 1999).
Ausgehend von einer Fragestellung werden die Schülerinnen und Schüler dazu angeregt, über mögliche Antworten nachzudenken, Vermutungen (Hypothesen) zu entwickeln und auf Grundlage ihrer Erfahrungen und ihres Verständnisses von der Welt zu begründen. Damit bewegt sich diese Phase nicht auf einer spekulativen Ebene, sondern auf der Ebene des Kommunizierens und Argumentierens. Damit später wieder auf die Vermutungen Bezug genommen werden kann, sollten diese (schriftlich) festgehalten werden. Sie sind auch aus einem diagnostischen Blickwinkel heraus interessant für die Lehrperson, geben sie doch Einblick in das Vorwissen und in die propädeutischen...

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