1. – 4. Schuljahr

Diemut Kucharz

Kinder lernen Zukunft

Rückblick auf den Bundesgrundschulkongress 2019 in Frankfurt a. M.

Welch Ereignis für die Grundschule im Jahr 2019: 100 Jahre Bestand, gegründet unter heftigem Streit und Widerstand mit großen Zukunftshoffnungen für eine demokratische Gesellschaft und heute unangefochten wahrgenommen als eine wichtige und solide Schule für Kinder zur Grundlegung ihrer Bildung.
Der Grundschulverband als Initiator und Organisator
Dieses Datum als Anlass für eine große Feier zu nehmen, war nicht der KMK eingefallen oder der Bundesbildungsministerin oder einem Zusammenschluss aller Grundschulreferentinnen und -referenten der Bundesländer, sondern dem Grundschulverband. Das lag insofern nahe, als er damit gleichzeitig sein 50-jähriges Bestehen feiern konnte. Das war insofern aber auch ein Glücksfall, als im Grundschulverband verschiedene Gruppen von Agierenden organisiert sind aktive und ehemalige Grundschullehrkräfte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Bildungsreferentinnen und -referenten, Aus- und Fortbilder(-innen) der zweiten und dritten Phase etc. eine vielfältige Mischung also, die alle diejenigen vereint, denen die Grundschule und deren Kinder am Herzen liegen, und die sich für sie und die Arbeit dort engagieren.
Ein Glücksfall war dies auch insofern, als im Grundschulverband engagierte und kompetente Menschen arbeiten, die für einen solchen für die Grundschule bedeutsamen Anlass einen Bundesgrundschulkongress planen, organisieren und durchführen können. Dem Anlass entsprechend wurde vieles geboten: Der Bundespräsident und ca. tausend Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren angekündigt, der Campus Westend der Uni Frankfurt wurde gemietet sowie die Paulskirche als geschichtsträchtiger Ort zur Eröffnung gewählt, ein vielfältiges Programm mit zahlreichen Vorträgen, Workshops und Diskussionsforen zusammengestellt unter Mitwirkung vieler kompetenter, grundschulaffiner Menschen.
Eröffnung durch den Bundespräsidenten
Der unangefochtene Höhepunkt des Bundesgrundschulkongresses war die Rede des Bundespräsidenten, die auch im letzten Heft der GRUNDSCHULZEITSCHRIFT in voller Länge abgedruckt wurde (GSZ 318, 2019). Der Präsident würdigte die Verdienste der Grundschullehrkräfte: „ ganz besonders möchte ich heute den Lehrerinnen und Lehrern danken. Denn wir wissen: Sie sind es, auf die es vor allem ankommt. () Liebe Lehrerinnen und Lehrer, ich habe einen Riesenrespekt vor Ihrer Arbeit …” Er hob aber auch die Verdienste des Grundschulverbands hervor: „Ihr Verband hat seit seiner Gründung maßgeblich mitgeholfen, Unterricht und Lehrerbildung zu modernisieren und frischen Wind in die Klassenzimmer zu bringen. Besonders betonte der Bundespräsident die politische Bedeutung und Hoffnung, die mit der Gründung der gemeinsamen Grundschule für alle verbunden war: „Die Grundschule für alle war damals der Versuch, jedem einzelnen Kind, aber auch der jungen Demokratie den Weg in eine erfolgreiche Zukunft zu ebnen. Diese Bedeutung und diese Hoffnung hätte bis heute Bestand und müsste immer wieder eingefordert werden: „Denn ich finde, wir dürfen den Anspruch nicht aufgeben, eine für alle gemeinsame Grundschule zu schaffen und da, wo sie besteht, auch zu erhalten. So enthielt die Rede auch einiges an politischer Sprengkraft, was die Zuhörenden mit lautem Beifall quittierten: Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Migration, Inklusion, soziale Polarisierung und eine sich wandelnde Arbeitswelt machten die Arbeit und den Unterricht in Grundschulen vielschichtiger und oft auch schwieriger. Das werde noch gesteigert durch unbesetzte Stellen, unzureichende Gelder für Sozialarbeit und Ganztagsschule sowie marode Schulgebäude. Eine emotional geführte öffentliche Debatte über die Grundschule angesichts schlechterer Leistungen der Grundschulkinder, wie sie die Bildungsforschung jüngst feststellte, helfe da nicht weiter. Und weiter spricht sich der Bundespräsident für eine...

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