1. – 4. Schuljahr

Elisabeth Rathgeb-Schnierer | Gudrun Schönknecht

Datenkompetenz fördern

Der Umgang mit Daten eine Aufgabe im Grundschulunterricht?

Im Zuge zunehmender Digitalisierung sind Datensicherheit, Datenschutz, Umgang mit neuen Medien und persönlichen Daten relevante Themen in der Grundschule. Aber gilt das auch für Sammlung, Erhebung, Verarbeitung und Interpretation von Daten? Wir möchten zeigen, dass diese Kompetenzen zum Bildungsauftrag der Grundschule beitragen und wie sie im Mathematik- und Sachunterricht thematisiert werden können.

Was sind eigentlich Daten, was verstehen wir darunter? Beim Titel dieser Ausgabe dachten Sie vielleicht vor allem an digitale Daten, an Datenschutz, Datensicherung, Big Data (Abb. 1 ). Hinweise zu diesen Bereichen finden Sie im Magazin dieser Ausgabe (s. Beitrag von Jochen Lange).
Wir gehen allgemeiner vor: „Datum (lat.) bedeutet „das Gegebene und bezieht sich auf Zeitpunkte und Zeitangaben, aber auch umfassender auf Fakten. Daten sind „(durch Beobachtungen, Messungen, statistische Erhebungen u.a. gewonnene) [Zahlen]werte, (auf Beobachtungen, Messungen, statistischen Erhebungen u.a. beruhende) Angaben, formulierbare Befunde (Duden 2020). Daten können also Tatsachen, Angaben, Einzelheiten, Maße, Messwerte, Zahlen, Wörter oder Texte sein.
Eine einheitlich genutzte Definition von Daten existiert nicht. Neben unterschiedlichen alltagssprachlichen Bedeutungen zeigen sich auch in verschiedenen Disziplinen Spezifika: In der Informatik sind Daten elektronisch gespeicherte Informationen, für die (anwendungsbezogene) Mathematik u.a. Zahlenwerte oder Größen zur Lösung einer Aufgabe. Der Umgang mit Informationen, Fakten oder Daten ist im Sachunterricht in allen sozial- und naturwissenschaftlichen Fachbezügen relevant. Daten unterschiedlicher Art werden im Unterricht genutzt und erfordern unterschiedliche Kompetenzen beim Sammeln, Darstellen, Auswerten und Interpretieren.
Daten als Informationen
Daten begegnen uns als unterschiedlich dargestellte Informationen: (schrift-)sprachlich, visuell oder grafisch. Die Art der Darstellung bestimmt wesentlich die Lesart und die Verständnismöglichkeiten. Daten werden durch die Art der Darstellung und die damit verbundene Notwendigkeit der Dekodierung immer vor dem Hintergrund subjektiver Kompetenzen interpretiert. Sie können nicht ohne Kontextwissen dekodiert und verstanden werden.
Eine einfache Strichliste (Abb. 2 ) kann nur dann richtig gelesen werden, wenn (Zusatz-)Informationen vorliegen:
  • Die Herkunft der Daten, das Wissen um die Situation, in der sie erfasst wurden. Handelt es sich um das Ergebnis einer Klassensprecherwahl oder um die Zählung von Gewinnen beim Würfeln? Wurde dokumentiert, wie oft ein Kind die Ergebnisse einer Gruppenarbeit festgehalten hat? Im ersten Fall repräsentiert die Gesamtheit der Striche die Wählerstimmen, im zweiten Fall die Spielrunden, im dritten Fall wird die Übernahme einer Aufgabe dokumentiert.
  • Die Merkmale, die bei der Zählung erfasst wurden. In allen drei Fällen geht es um Häufigkeit. Beim Wahlkontext geht es um die Häufigkeit der abgegebenen Stimmen. Beim Würfelspiel ist es nicht so eindeutig: Wurde gezählt, wie oft die höchste, die niedrigste, eine bestimmte Augenzahl gewürfelt wurde? Auch im dritten Fall geht es um Häufigkeit, aber mit anderer Zielstellung.
  • Der Kontext, d.h. Ziel und Zweck der Datenerhebung und -dokumentation. Wofür wurden die Daten erhoben? Bei der Wahl wird die Strichliste nach Auszählung aller Stimmen geschlossen.
Bei der Wahl und beim Würfeln ist das Ziel der Erhebung eine Rangfolge nach Häufigkeit, Positionen werden ermittelt für eine Entscheidungsfindung: Klassensprecherin, Gewinner, Zweite Letzter. Im dritten Fall dient die Dokumentation dazu, sich rasch einen Überblick verschaffen zu können, wer schon wie oft dran war mit unterschiedlichen Zielen: (möglichst) eine Gleichverteilung zu erreichen oder sicherzustellen, dass jede bzw. jeder mindestens einmal...

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