1. – 4. Schuljahr

Michael Töpler

Elternmitwirkung – Kinder in den Mittelpunkt stellen

Dem Thema Elternmitwirkung kann man sich ganz unterschiedlich nähern. Das Spektrum reicht von der Frage, welchen Kuchen die Eltern zum Schulfest mitbringen bis zu der Frage nach der Auslegung des Grundgesetzes mit Blick auf das Zusammenwirken von Eltern und staatlichen Institutionen bei der Bildung und Erziehung der Kinder.
Sind wir inzwischen bei der Mitwirkung von Eltern im Schulwesen angekommen? Oder wird weiter „Elternarbeit betrieben? Diese Frage ist keine nur sprachliche! Rein rechtlich ist die Frage eindeutig geklärt, denn die meisten Bundesländer haben das Verhältnis als „Erziehungs- und Bildungspartnerschaft festgeschrieben und Partner wirken ja miteinander, im Bildungswesen natürlich (?) im Sinne der Kinder.
In der Praxis sieht es dagegen vielfach noch nach Arbeit aus – mit einem „Vorgesetzten (Lehrerin oder Lehrer) und einem zur Mitarbeit geforderten Elternpaar oder Elternteil. Dieses „Arbeitsverhältnis möchte ich genauer beleuchten. Zunächst eine Klarstellung: Es gibt viele Beispiele für eine sehr gute Zusammenarbeit von Lehrkräften und Eltern, weitgehend ohne Hierarchie und im besten Interesse der Kinder. Ebenso gibt es Fälle, in denen Eltern den Eindruck vermitteln, Lehrkräfte wären so etwas wie Dienstleister für gute Noten ihrer Kinder, die man im Zweifel mit rechtlichen Mitteln zu erreichen sucht.
Ich konzentriere mich hier auf die weit verbreitete Situation, in der sich Eltern den Lehrkräften unterlegen fühlen und eine echte Zusammenarbeit noch schwerfällt.
Woran liegt das? Zum einen gibt es sehr viele Vorurteile auf beiden Seiten. Exemplarisch seien hier folgende genannt: Lehrkräfte haben vormittags recht und nachmittags frei, sie sind als Beamte bequem und haben ständig Ferien. Eltern dagegen sind entweder überbesorgt und mischen sich in alles ein, oder sie sind desinteressiert und nicht erreichbar. Diese Vorurteile lassen sich im persönlichen Kontakt abbauen. Dieser kann auf vielfältige Weise formell und informell organisiert werden. Dabei soll es nach Möglichkeit gelingen, die jeweils andere Sichtweise auf die Schule allgemein oder einzelne Kinder im Besonderen zu verstehen.
Jede und jeder hat eigene Erfahrung mit den Rollen „Lehrkraft und „Eltern, und man hat ein Bild davon, wie die jeweiligen Personen ihre Rolle verstehen sollten. Jedoch: Schule und Elternschaft haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert, zudem gibt es enorme Unterschiede zwischen den Familien, je nach Biografie und Milieu. Es fehlt häufig auf beiden Seiten an Wissen über die Lebensrealität der jeweils anderen. Daher wäre es sehr wichtig, dass man sich auf einer Ebene begegnen könnte, wo Erwartungen ausgetauscht werden können, ohne dass jemand beschämt wird. Dazu gibt es vielversprechende Ansätze!
Manchen Eltern fällt es schwer, ihre Kinder ausreichend bei den Hausaufgaben zu unterstützen oder alle von der Schule benötigten Materialien zu besorgen. Das kann sehr unterschiedliche Gründe haben, z.B. Sprachbarrieren oder eigene geringe Bildungserfolge. Die Eltern sollen keine „Hilfslehrer sein, sondern vor allem zu Hause eine positive Lernumgebung schaffen. Dabei geht es um Interesse am Lernen des Kindes, um positive Erwartungen und einen wertschätzenden Umgang.
Zugleich ist es wichtig, dass Eltern über neue Entwicklungen in der Schule informiert werden, vieles hat sich verändert. Und manche aufgeregte mediale Diskussion ließe sich durch bessere Kenntnis der Forschungslage und der Unterrichtspraxis schnell entspannen. Lehrkräfte haben mit Neuerungen und Veränderungen zu tun, sie müssen sich zum Umgang mit digitalen Medien verhalten, ihre eigenen Kompetenzen erweitern und sich kritisch mit dem alten Rollenbild der Lehrkraft als „Einzelkämpferin/Einzelkämpfer auseinandersetzen.
Bei der Zusammenarbeit von Eltern und Lehrkräften geht es letztlich immer um die Kinder. Doch was halten die eigentlich davon? Muss es...

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