1. – 13. Schuljahr

Lesetipps

Ziemlich beste Freunde?! Erziehungspartnerschaften
Tanja Betz/Stefanie Bischoff/Nicoletta Eunicke/Laura B. Kayser/Katharina Zink
Partner auf Augenhöhe?
Forschungsbefunde zur Zusammenarbeit von Familien, Kitas und Schulen mit Blick auf Bildungschancen.
Bertelsmann Stiftung.
Gütersloh 2017, 244 Seiten,
€ 25,00
Das Fragezeichen im Buchtitel verweist auf eine gewisse Ratlosigkeit zu Erziehungspartnerschaften zwischen Institutionen und Elternhäusern. Umso verdienstvoller ist die nun vorgelegte Veröffentlichung, in der umfassende aktuelle Forschungsergebnisse dazu zusammengetragen werden.
Dass eine Expansion an Bildungschancen nicht gleichbedeutend mit mehr und weniger Chancengleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe ist, arbeiten die Autorinnen gleich zu Beginn heraus,. Die Differenzlinien werden prägnant konturiert.
Die Autorinnen differenzieren Modelle sozialer und generationsbedingter Ungleichheit und stellen Bildungs- und Teilhabechancen in den Kontext bestehender gesellschaftlicher (Ungleichheits-)Verhältnisse. Das Meritokratiekonzept (jemand bekommt, was er verdient ) wird ausgeleuchtet und hinterfragt. Ausgangspunkt der Überlegungen ist die Fragestellung, ob die Ungleichheit, die abgebaut werden soll, nicht institutionell reproduziert wird.
Die qualitativen und quantitativen Systematisierungen von Ursachen und Lösungsansätzen zur Überwindung von Ungleichheit lesen sich bereits in den einleitenden Kapiteln bis S. 43 spannend und erhellend. „Ach ja, stimmt!, denkt die Leserin so manches Mal vor dem Hintergrund eigenen Erfahrungswissens, wenn die Autorinnen aufzeigen, welche hohe Anpassungsleistungen Kinder und Eltern aus sozial eher prekär ausgerichteten Familien vollbringen müssen und das nicht erst bezogen auf das Grundschulalter, sondern bereits im Kindergarten.
Um die multikausalen Zusammenhänge der Entstehung von Bildungsungleichheit aufzudecken und sie zu entschlüsseln, werden Regelungen auf Makro-, Meso- und Mikroebenen aufgelistet (vgl. S. 38ff.).
Empirische Schlaglichter auf die rechtliche Verankerung der Zusammenarbeit von Familien und Institutionen in den Gesetzen und Bildungsplänen der Bundesländer bis hin zur Konstruktion von Bildungs- und Erziehungspartnerschaften in Fachzeitschriften erhellen anschließend den rechtlichen, formalen und praxisrelevanten Rahmen dazu.
Nach der vorangegangenen Darstellung der fachlichen Debatte und der Zusammenschau der rechtlichen, bildungs- und sozialpolitischen Implikationen zur Zusammenarbeit von Elternhaus und der föderalen Bildungsinstitutionen in Deutschland öffnet das Autorenteam einen in seinem Umfang wiederum beeindruckenden Blick auf internationale Forschungsbefunde. In Form von übersichtlichen Synopsen wird deutlich, dass der internationale Forschungsstand dazu sehr viel breiter ausgelegt ist als der aktuelle deutsche Fachdiskurs.
Die Autorinnen versäumen abschließend nicht, auf Forschungslücken aufmerksam zu machen. So fehlen bisher profunde Antworten und Belege auf die Frage, welche exakten Effekte die rechtlichen Grundlagen zur Elternbeteiligung bewirken, oder darauf, in welcher Weise professionelles pädagogisches Handeln im Umgang mit Ungleichheit zu bewussten Reflexionen und veränderten Handlungsmustern führt.
Die Ausführungen der Autorinnen bieten insgesamt eine herausragende Grundlage zur Bearbeitung des Themas und der Ableitung entsprechender Handlungsempfehlungen auf unterschiedlichen Ebenen. Akteure der Bildungsverwaltungen erhalten wichtige Impulse für ihre Entscheidungen bezüglich des Einsatzes der verfügbaren Ressourcen ebenso wie auch die Institutionen Schule und Kindertagesstätte, die sich in besonderer Weise der Falle der Reproduktion von Ungleichheit stellen müssen. Dabei sind nicht zuletzt auch die einzelne Pädagogin, der einzelne Pädagoge sowie die Eltern gefragt, wenn es darum geht, sich im konkreten Alltagshandeln für einen bewussten Umgang miteinander einzusetzen.
Ein weiterer großer Gewinn bei...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen