1. – 4. Schuljahr

Peter Heyer

Auf dem Weg zuminklusiven Schulsystem

Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention ist Deutschland die Verpflichtung eingegangen, ein inklusives Schulsystem aufzubauen. Die Umsetzung dieser Verpflichtung ist in den Bundesländern unterschiedlich weit fortgeschritten. Hemmnis für die erforderlichen Veränderungen sind insbesondere die Reduktion des Inklusionsbegriffs auf Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen, die Verweigerung der schulstrukturellen Konsequenzen und die unzureichende Ressourcenausstattung für eine inklusive Entwicklung (vgl. auch „Eine für alle. Die inklusive Schule für die Demokratie, Schriftenreihe: Heft 1, 2016, S. 4 – 7).
Wie viele Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden noch immer an einer „Förderschule unterrichtet?
Die Grafik zeigt den Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an, der separiert an einer „Förderschule unterrichtet wird (s. Abb. 1 ).
Wie viele Schülerinnen und Schüler haben unabhängig vom Förderort einen sonderpädagogischen Förderbedarf?
Die Grafik zeigt den Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf von der Gesamtschülerzahl (s. Abb. 2 ). Es fällt auf, dass in elf der sechzehn Bundesländer und in Deutschland insgesamt die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Schuljahr 2015/16 zugenommen hat.
Worum geht es bei der erforderlichen Weiterentwicklung der Schulen zu inklusiven Bildungseinrichtungen?
Es geht bei der Inklusion nicht mehr um das „Ob, sondern nur noch um das „Wie.
Für angemessene Rahmenbedingungen bei Ressourcen und Strukturen sowie für den notwendigen Bewusstseinswandel trägt die Politik Verantwortung. Beides ist aufs engste miteinander verbunden. Wer die angemessenen bildungspolitischen Rahmenbedingungen verweigert, sorgt dafür, dass die Gegner der Inklusion mit ihren Einwänden Recht haben und ein eher inklusionsfeindliches gesellschaftliches Klima bestimmen.
Hubert Hüppe (CDU), von 2010 bis 2014
Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen
© Berliner Bildungszeitschrift der GEW BERLIN
Kurz und bündig
Lehrer für eine Million zusätzliche Schüler gesucht
Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung prognostiziert unerwartet hohe Schülerzahlen, auf die das Schulsystem bisher nicht vorbereitet ist. An Grundschulen könnten im Jahr 2025 demnach 24.000 Lehrer fehlen, weiterführende Schulen müssten bis zum Jahr 2030 sogar 27.000 zusätzliche Stellen schaffen.
ZEIT ONLINE, Juli 2017 © AFP
Zusammenhang zwischen Lehrer-Duzen und Rechtschreibung
Ob Grundschülerinnen und -schüler ihre Lehrer duzen oder siezen ist vom Bundesland abhängig und zugleich ein Indikator für die Leistungsorientierung der Pädagoginnen und Pädagogen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Während im Norden und Westen Deutschlands noch in der 4. Klasse das Du vorherrscht, dominiert im Süden und insbesondere im Osten das Sie. Die Entscheidung für Du oder Sie hat laut der Studie auch Konsequenzen für die Sprachfähigkeit und Disziplin der Schüler. So lasse sich nachweisen, dass in Schulkulturen, die das Du erlauben, auch die Rechtschreibung einen geringeren Stellenwert genießt. Die Anrede ist ein erstaunlich zuverlässiges sprachliches Signal dafür, wie Lehrerinnen und Lehrer ihre eigene Rolle verstehen, welche Beziehung sie zu ihren Schülerinnen und Schülern haben und wie konsequent sie Leistungen einfordern.
aus: „70 bis 90 Prozent der Grundschüler duzen ihre Lehrer vom 20.09.2017 © Hamburger Abendblatt
Die Schwimmfähigkeit von Kindernist ungenügend
In den ersten acht Monaten des Jahres 2017 sind mindestens 297 Menschen in deutschen Gewässern ertrunken. Wesentliche Ursache für das Ertrinken ist, dass die Schwimmfertigkeit der Menschen in Deutschland stark abgenommen hat. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage sind 59 Prozent der Kinder im Grundschulalter keine sicheren...

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